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Interview

Liga-Boss Schäfer über den drohenden Absturz des Schweizer Fussballs: «Das haben wir uns selbst eingebrockt»

Die Hälfte der Meisterschaft ist durch. Im Halbzeit-Interview spricht Liga-CEO Claudius Schäfer über Fan-Randale, Rassismus im Stadion und den drohenden Absturz des Schweizer Fussballs im internationalen Geschäft.
Sébastian Lavoyer

Herr Schäfer, die Öffentlichkeit hat dieses Wochenende die hässliche Fratze des Fussballs zu Gesicht bekommen. GC-Anhänger zerstörten in Thun Busse und Velos, verletzten Polizisten. Was geht Ihnen in einem solchen Moment durch den Kopf?

Claudius Schäfer: Bis zu diesem Moment wäre mein Fazit der Hinrunde fast gänzlich positiv ausgefallen. Der Fussball wurde von Randalierern missbraucht. Sie bescherten uns negative Presse und haben logischerweise den Unmut der Bevölkerung auf sich gezogen. Obschon es eine sehr kleine Minderheit ist, die randaliert, leidet der Fussball als Ganzes darunter.

Was kann die Liga dagegen tun?

CEO der Swiss Football League: Claudius Schäfer.

CEO der Swiss Football League: Claudius Schäfer.

Wir haben schon sehr viel dagegen unternommen. Meine Arbeit hat sich sehr lange auf das Thema Sicherheit fokussiert. Es gab und gibt noch immer Koordinationsgruppen, Absprachen. Vieles hat sich zum Guten verändert, auch das Zusammenspiel mit den Behörden. Das Schwarz-Peter-Spiel hat völlig aufgehört. Sie anerkennen, was wir machen, und umgekehrt. Die Polizei steht jedes Wochenende an den Bahnhöfen, ist rund um die Stadien präsent. Da wird ein grosser Einsatz geleistet. Mittlerweile haben wir es mit kleinen Gruppierungen zu tun, die sehr radikal sind. Meist bewegen sie sich gar nicht im Stadion, sondern ausserhalb.

War das auch in Thun so?

Wie ich gehört habe, waren es unter anderem «Stadionverbötler», die sich in der Nähe des Bahnhofs aufhielten. Die waren nicht beim Spiel, aber trotzdem vor Ort, weil sie sich mit den normalen Fans dorthin begeben. Ein grosses Problem. Wenn nur ein bisschen Zunder im Spiel ist, «chlepft» es. Eine frustrierende Thematik, weil sie immer wieder hochkocht.

Gerade letzte Woche hat sich die Arbeitsgruppe «Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen» getroffen. Welche Erkenntnisse hatte man?

Das Fazit war insgesamt sehr positiv. In den Stadien ist es ruhig und die Besucher fühlen sich sicher. Wir haben noch Pyros, und die wird es wohl immer haben. Darum konzentrieren wir uns vor allem auf die Gewaltvorfälle, dazu zähle ich auch Böller. Wir haben die Philosophie beim Stadion angepasst. Anstatt Security stehen dort jetzt meistens Stewarts, man versucht, die Leute freundlich zu begrüssen, auch wenn sie manchmal nicht allzu freundlich daherkommen. Es wird nicht mehr flächendeckend jeder untersucht, der ins Stadion kommt, sondern nur auf Verdacht hin. Seither hat sich der Stadioneinlass stark entkrampft. Wir setzen innerhalb des Stadions vor allem auf hochauflösende Kameras. Mit diesen werden Leute rausgepickt, die eine Übertretung begehen. So hat sich die Problematik vor allem auf die Anreisewege verlagert.

Da sind Ihnen die Hände gebunden.

Man versucht mit Hochdruck, herauszufinden, wer die Banane geworfen hat. Mit den hochauflösenden Kameras. Das wird nicht einfach. Denn der Fan … Nein, das ist für mich kein Fan, das ist einfach ein Unbelehrbarer, der im Stadion nichts zu suchen hat. Höchstwahrscheinlich wird er sich vermummt haben, aber man muss alles daransetzen, den zu finden und mit einem Stadionverbot zu belegen und wenn möglich gar strafrechtlich zu verfolgen. Daran haben die Klubs selbst ein riesiges Interesse. Der FCZ hat sich ja auch sofort distanziert von dieser Tat.

Wie gross ist das Problem Rassismus in Schweizer Stadien?

Ich bin seit zwölf Jahren bei der Liga und kann mich an keinen Fall erinnern. Darauf können wir stolz sein. Wir haben auch keine Homophobie in den Stadien. Es hat sich ein Schiedsrichter geoutet. Wenn ich mit ihm spreche, sagt er, dass er noch nie ein Problem gehabt hätte deswegen. Im Gegenteil: Die Spieler kämen auf ihn zu, sagten, dass er mutig gewesen sei. Das ist sehr positiv und soll uns optimistisch stimmen.

Wir wollen nicht nur negativ sein. Was stimmt Sie optimistisch?

Die Liga ist attraktiv. Wir haben einen Torschnitt von 3,44 Treffern pro Spiel. So hoch war dieser Wert seit 1966 nicht mehr. Und auch in den Top 20 Europas ist es absoluter Rekord. Nur Holland und Deutschland kommen auf einen Wert über 3. Erstmals seit 2012/13 haben wir zudem die Millionengrenze bei den Zuschauern nach 18 Runden geknackt. Die Zuschauer sind immer noch die wichtigste Einnahmequelle der Klubs.

Immerhin ist die Barrage zurück.

Ich bin sehr froh, haben sich die Klubs damals für die Wiedereinführung ausgesprochen. Wenigstens nach unten gibt es grosse Spannung, da noch etliche Klubs in den Abstiegskampf involviert sind. Es wäre schön, wenn es gegen oben auch so wäre. Das kann es ja noch werden. Ich könnte mir vorstellen, dass YB den einen oder anderen Spieler verliert, so dominant, wie sie in der Meisterschaft aufgetreten sind. Auch wegen des Ausrufezeichens, das sie in der Champions League gesetzt haben. Unser Meister hat eine der besten Mannschaften Europas geschlagen. Darauf habe ich viel internationales Feedback gekriegt.

Von wem?

Ich bin im Vorstand der European Leagues. Wir sind gerade sehr intensiv in Kontakt wegen der Uefa-Klubwettbewerbe. Wir stören uns sehr an der momentanen Entwicklung. Es ist schön, wenn man da auch mal über Fussball sprechen kann und nicht nur über Fussball-Politik.

Schweizer Klubfussballer haben – wie hier den FCSG gegen Sarpsborg – auf der europäischen Bühne zuletzt keine Stricke zerrissen und gingen meist als Verlierer vom Feld. (Bild: Keystone)

Schweizer Klubfussballer haben – wie hier den FCSG gegen Sarpsborg – auf der europäischen Bühne zuletzt keine Stricke zerrissen und gingen meist als Verlierer vom Feld. (Bild: Keystone)

Was stört Sie?

Da müssen wir bei den Statuten der Uefa beginnen. Im Zweckartikel steht, dass der Sport immer schwerer zu gewichten sei als die kommerziellen Aspekte. Und zweitens: Solidarität ist ein Grundpfeiler. Die Grundsätze sehe ich verletzt.

Inwiefern?

Die grosse Revolution der grossen Klubs geschah auf diese Saison hin. Sie haben sich den Zugang zu den Honigtöpfen auf Dauer gesichert. Noch schlimmer: Künftig wird aus einer Zweiklassengesellschaft gar eine Dreiklassengesellschaft.

Die Schweiz droht nach ganz unten abzurutschen.

Das ist so. Wir drohen aus den Top 15 der Uefa-5-Jahreswertung zu fallen. Damit verlöre die Schweiz nicht nur einen internationalen Platz, sondern alle ausser dem Meister würden ab 2020/21 direkt in der für dann geplanten, neuen Europa League 2 antreten. Das haben wir uns natürlich auch selbst eingebrockt, weil die Klubs in den Qualifikationsspielen hängen blieben.

Weil unsere Liga zu schwach ist?

Das würde ich so nicht sagen. Wir sind zwar nicht nur an den ganz Grossen gescheitert. Aber St.-Gallen-Gegner Sarpsborg zum Beispiel hat es bis in die Gruppenphase der Europa League geschafft. Aber logisch, für uns ist es ärgerlich.

Was kann die Liga tun?

Wir sind auf internationaler Ebene aktiv, wenn es um den Zugang zu den europäischen Wettbewerben und um die Verteilung der Gelder geht. Zum Beispiel fordern wir, dass die Solidaritätszahlungen fast verdreifacht werden. Davon würden alle Klubs profitieren, die nicht international spielen. Auch die Liga würde ausgeglichener.

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