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Liebe Männer, seid bitte nicht so grosszügig

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Geschenke in Beziehungen.
Maria Brehmer
«Nennen Sie mich undankbar oder schnöde, aber ich fand Männer, die mir grosse Geschenke machten, immer suspekt.» (Bild: Sandra Ardizzone)

«Nennen Sie mich undankbar oder schnöde, aber ich fand Männer, die mir grosse Geschenke machten, immer suspekt.» (Bild: Sandra Ardizzone)

Heute hat mein Freund Geburtstag, und ich habe mir etwas vorgenommen: Mein Geschenk für ihn soll ausnahmsweise mal nicht vor allem meinem Ego schmeicheln.

Partner glücklich, Mission erfüllt!

Schenken steht bei mir schon lange unter Verdacht. Denn ich bin überzeugt: Schenken ist meist eine äusserst egoistische Angelegenheit. Je mehr Begeisterung man als Schenkende auslöst, desto besser fühlt man sich – schliesslich hat man einen lobenswerten Dienst an der Beziehung geleistet. Partner glücklich, Mission erfüllt!

Auch wenn ich niemandem abspreche, mit Geschenken aufrichtig Freude bereiten zu wollen, so ist das Schenken doch immer auch an Erwartungen geknüpft. «Freust du dich? Gefällt es dir?», fragt man und atmet erleichtert auf, wenn die Antwort positiv ausfällt.

«Der spontane Trip nach New York oder der mehrseitige Liebesbrief bei einem der ersten Dates: Wer so grosszügig schenkt, will vor allem gefallen.»

In Liebesbeziehungen sage ich mit meinen Geschenken implizit: «Schau, wie sehr ich dich liebe und was ich alles für dich tue!» Ob es sich um besonders kreative, originelle, supersüsse oder in finanzieller Sicht grosszügige Geschenke handelt, spielt dabei keine Rolle. Hauptsache, der oder die Liebste fühlt sich mit Aufmerksamkeit überhäuft und man kann sich zufrieden selbst auf die Schulter klopfen. Was bin ich für eine gute Freundin/ein guter Freund!

Nennen Sie mich undankbar oder schnöde, aber ich fand Männer, die mir grosse Geschenke machten, immer suspekt. Der spontane Trip nach New York oder der mehrseitige Liebesbrief bei einem der ersten Dates: Wer so grosszügig schenkt, will vor allem gefallen. Klar ist eine Reise in die USA toll, aber ein weniger pompöses Geschenk hätte es auch getan, wirklich.

Mit Geschenken kompensiere ich etwas

Die Witzelei, dass Männer, die ihrer Frau unerwartet Blumen heimbringen, etwas zu verbergen haben, finde ich gar nicht so weit hergeholt: Wer grosszügig schenkt, kompensiert irgendetwas, meistens das schlechte Gewissen. Das muss nicht von einer Affäre kommen. Auch das ungute Gefühl, irgendwie nicht zu genügen und mit einem Geschenk seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten ausgleichen zu können, kann ein Grund sein. Womit wir wieder beim Ego wären.

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Grosszügige Handlungen wie Schenken oder Spenden setzen Glücksgefühle frei. Ich kenne das von mir: Fällt mir ein aussergewöhnliches Geschenk für meinen Liebsten ein, fühle ich mich richtig gut.

«Gute Beziehungen leben von kleinen, alltäglichen und nicht von wenigen grossen Aufmerksamkeiten.»

Doch plagen mich auch Zweifel: Was, wenn es ihm doch nicht gefällt? Wenn ich blöd dastehe, nachdem er es ausgepackt hat? Solche Bedenken zeugen von meiner Unsicherheit, ob ich tatsächlich eine gute Partnerin bin. Sie sind überflüssig, denn auch wenn mein Partner mein Geschenk nicht ganz so grossartig findet, hat das nichts mit unserer Liebe zu tun. Denn ich bin sicher: Gute Beziehungen leben von kleinen, alltäglichen und nicht von wenigen grossen Aufmerksamkeiten.

Meinem Freund schenke ich heute übrigens eine Bratpfanne. Eine von denen, die man ein Leben lang hat.

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