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Hahnenburger statt Mineral: Die Branche kämpft gegen Umsatzrückgänge

Immer mehr Konsumenten löschen ihren Durst mit Leitungswasser statt mit Mineral. Die Branche will eine Kampagne lancieren, um den Rückgang zu stoppen und die Vorteile von Mineralwasser anzupreisen.
Eva Novak
Hahnenwasser konkurrenziert zunehmend den Absatz von Mineralwasser. Die Getränkebranche will dies per Kampagne bekämpfen. Bild: Getty

Hahnenwasser konkurrenziert zunehmend den Absatz von Mineralwasser. Die Getränkebranche will dies per Kampagne bekämpfen. Bild: Getty

Es sind acht Sommeliers der besonderen Art, welche Dienstag dieser Woche im Zunfthaus zur Meisen in Zürich ihre Zertifikate entgegennehmen konnten. An einem fünftägigen Seminar hatten sie alles Wichtige rund ums Mineralwasser gelernt. Nun dürfen sie sich hochoffiziell erste Schweizer «Wasser-Sommeliers» nennen. Sie sollen den Gästen in der Gastronomie neue Geschmackswelten eröffnen und als Botschafter ihr Wissen weitergeben, in welchem sie schriftlich, mündlich und sensorisch geprüft wurden.

Das scheint auch nötig. Denn der Konsum an inländischem Mineralwasser ist vergangenes Jahr trotz Hitzesommer um 0,4 Prozent zurückgegangen, wie der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür, Präsident des Verbands Schweizerischer Getränkegrossisten (VSG), tags darauf an einer Branchentagung in Bern bekannt gab. Nur weil die ausländischen Mineralwasser-Marken – und hier vor allem die Billigwasser – um 1,5 Prozent zulegen konnten, ist der Verbrauch insgesamt nicht eingebrochen, sondern in etwa gleich geblieben.

«Da geht uns ziemlich viel Umsatz verloren»

Angesichts des ebenso langen wie heissen und trockenen Sommers überrascht das, zumal die Erfrischungsgetränke im gleichen Zeitraum um 8 Prozent zulegen konnten. Vor allem energiearme oder kalorienfreie Softdrinks wurden vermehrt konsumiert. Auch beim Bier gab es im vergangenen Braujahr eine Zunahme um 1,8 Prozent. Anders als beim Mineral fiel diese bei den inländischen Marken mit 3,9 Prozent besonders ausgeprägt aus.

Den Rückgang beim einheimischen Mineralwasser führt die Branche darauf zurück, dass die Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt zu Leitungswasser griffen, um ihre trockenen Kehlen zu befeuchten. Nicht nur im Privathaushalt.

Auch in der Gastronomie komme immer mehr «Hahnenburger» zum Einsatz, sagt VSG-Präsident Gmür. Es würden zunehmend Geräte installiert, die Wasser in Sprudel verwandeln. Als Nationalrat hat er beobachtet, dass der Gastronomiebetrieb im Bundeshaus, das «Galerie des Alpes», ebenfalls über eine solche Anlage verfügt. So gut das Leitungswasser vielerorts auch sei, der Handel leide unter der Entwicklung, bedauert Gmür: «Da geht uns ziemlich viel Umsatz verloren.»

Immer noch beliebtestes Kaltgetränk

Wie schlimm es wirklich ist, ist noch nicht bekannt. Marcel Kreber, Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS), weist darauf hin, dass die Dezemberzahlen noch nicht vorlägen. Ausserdem sei Mineralwasser nach wie vor das mit Abstand am meisten getrunkene kalte Getränke in der Schweiz. Noch immer würden 115 Liter pro Kopf und Jahr getrunken, während es bei den Erfrischungsgetränken rund 68 und beim Bier 55 Liter seien. Er betont:

«Wir sind auf einem sehr hohen Niveau.»

Das versucht die Branche zu halten. Schweizer Leitungswasser sei zwar «grundsätzlich von hoher Qualität», sagt Kreber. Weil es aber aus See-, Fluss- und Grundwasser gewonnen werde, müsse es hie und da aufbereitet werden. Tatsächlich ist der Nitratgehalt in Gegenden mit viel Landwirtschaft immer wieder ein Thema. Hie und da kommt es auch zu Verschmutzungen durch Bakterien oder Pflanzenschutzmittel.

«Mineralwasser hingegen ist ein Naturprodukt von gleichbleibender, hoher Qualität», so der SMS-Generalsekretär – ein Premium-Produkt, welches von Gesetzes wegen am Ort der Quelle in verschliessbare Behältnisse abgefüllt werden müsse und nicht behandelt werden dürfe.

Kampagne soll im Frühling starten

Darauf will die Branche demnächst in einer Kampagne aufmerksam machen, welche laut Kreber im Frühling, rechtzeitig vor Beginn der Trinksaison, starten soll.

Erste Zielgruppe seien dabei die Gastronomen:

«Wir wollen sie gezielt ansprechen, um sie auf den Mehrwert des Mineralwassers hinzuweisen.»

Dieselbe Kunde sollen die nun frischgebackenen Mineralwasserbotschafter zukünftig in die Schweizer Gastro-Welt hinaustragen.

Nicht umsonst hat der SMS-Generalsekretär ihnen an der Zertifikats­feier dazu gratuliert, mit ihrem erlernten Wissen zu vermitteln, «dass Mineralwasser ein einzigartiges Naturprodukt mit einer jahrhundertealten Geschichte ist, welches ausserdem durch eine geschmackliche Vielfalt besticht, die es zu entdecken und zu geniessen gilt».

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