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LEITARTIKEL: Verrat an der Jugend? Was für ein Unsinn!

"Die Generationengerechtigkeit lässt sich nicht allein am Umwandlungssatz in der 2. Säule messen", schreibt Jürg Ackermann in seinem Leitartikel nach dem Nein zur Rentenreform.
Jürg Ackermann
Nein, sagte die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu Alain Bersets Rentenreform. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Nein, sagte die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu Alain Bersets Rentenreform. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Eine Woche nach dem Nein zur Rentenreform lichten sich die Nebel. Auch wenn der Weg zu einer neuen Vorlage weit und steinig sein dürfte, zeichnet sich ab: Irgendwann wird man sich in Bern zu einem neuen Kompromiss durchringen. Zu viel steht auf dem Spiel. Zu gross ist das Bewusstsein, dass die Altersvorsorge in arge Schief­lage gerät, wenn sich links und rechts nicht finden.

Wie auch immer ein neuer Kompromiss aussieht, schon jetzt ist zu hoffen, dass sich um die neue Vorlage eine Debatte rankt, die vom Blick fürs Ganze geprägt ist. Was war da nicht alles zu lesen: Von «Verrat an der Jugend» bis zur «Kündigung des Generationenvertrages». Man hatte das Gefühl, ganze Generationen würden durch den Rentenkompromiss geprellt. Natürlich kann es nicht sein, dass in der 2. Säule wegen des zu hohen Umwandlungssatzes Renten ausbezahlt werden, die sich nicht finanzieren lassen. Natürlich macht es Angst, wenn in 30 Jahren vielleicht nur noch zwei Erwerbstätige auf einen Rentner kommen. Aber lebt, wie im Abstimmungskampf zuweilen suggeriert, tatsächlich eine ganze Generation (Senioren und angehende Rentner) auf Kosten der Jungen?

Die Antwort ist so klar wie einfach: Nein! Dafür genügt ein Blick auf die Solidarität zwischen den Generationen. Noch nie haben sich beispielsweise so viele Grosseltern so intensiv um ihre Enkel gekümmert wie heute. Sie sind da, wenn das Kind krank ist. Sie sind da, wenn die Sitzung im Büro länger dauert. Sie sind da, wenn sich Mami und Papi ein schönes Wochenende machen wollen. Und sie ermöglichen, dass beide Elternteile erwerbstätig bleiben können. Schätzungen gehen davon aus, dass die freiwillige Oma- und Opa-Arbeit den entlasteten Eltern Einsparungen von mehreren Milliarden bringt.

Die Summe der Freiwilligenarbeit wird noch viel grösser, wenn man berücksichtigt, wie viele Frischpensionierte wiederum ihre betagten Eltern pflegen. Zudem fliessen riesige Summen von der älteren zur jüngeren Generation, wenn diese beispielsweise Hauseigentum erwirbt. Ganz zu schweigen von den über 60 Milliarden Franken, die in der Schweiz jedes Jahr vererbt werden. Dass wegen der steigenden Lebenserwartung viele dieses Geld erst erhalten, wenn sie selber in Rente gehen, ist sekundär. Allein die Aussicht darauf funktioniert wie eine zusätzliche Absicherung im Alter, eine vierte Säule quasi.

Die Schweiz investiert – zu Recht – viele Milliarden in die Bildung und ebenso viel Geld in die Infrastruktur, die vorab der Jugend von heute zugute kommt. Das Ergebnis darf sich sehen lassen: Unser Land hat eines der besten Bildungssysteme der Welt, die Chancen auf gute Jobs sind – im Vergleich zu vielen europäischen Ländern – gross. Die Jugend profitiert zudem von einem materiellen Lebensstandard, wie ihn keine Generation zuvor kannte. Zu dessen Aufbau hat ganz wesentlich die Generation beigetragen, die bald ins Rentenalter kommt oder sich bereits dort befindet.

Es wäre daher wünschenswert, wenn künftige Rentendebatten nicht von kleinkarierten Neiddiskussionen zwischen Alt- und Neurentnern und den jüngeren Erwerbstätigen geprägt wären. Die Generationengerechtigkeit lässt sich nicht allein am Umwandlungssatz in der 2. Säule messen. Sie geht viel weiter.

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