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LEITARTIKEL: Sie schlagen die SRG und meinen die Medien

Die Gehässigkeit, mit welcher sich die SRG und ihre Angestellten konfrontiert sehen, kaschiert freilich ein Malaise, das tiefer geht. Chefredaktor Stefan Schmid schreibt in seinem Samstagskommentar über die gehässige Stimmung gegen das öffentlich-rechtliche TV und Radio.
Stefan Schmid
"Bei No Billag geht es im Kern um die Frage, ob dieses Land Medien will, welche im Interesse der Allgemeinheit die Ruhe stören", schreibt Chefredaktor Stefan Schmid. Und fügt an: "Das ist gratis leider nicht zu haben." (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

"Bei No Billag geht es im Kern um die Frage, ob dieses Land Medien will, welche im Interesse der Allgemeinheit die Ruhe stören", schreibt Chefredaktor Stefan Schmid. Und fügt an: "Das ist gratis leider nicht zu haben." (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Früher, da war die Welt noch in Ordnung. Des Pfarrers Predigt nahm man ernst. Der Dorflehrer war eine Autorität, und was in der Zeitung stand, dem schenkte man uneingeschränkt Glauben. Tempi passati. Zum Glück. Dass Hierarchien vermehrt kritisch hinterfragt werden, darf als zivilisatorischer Fortschritt bezeichnet werden.

Kritik aber kann in offene Ablehnung umschlagen, wie das Beispiel der Medien zeigt. Deren Arbeit wird mittlerweile nicht einfach nur kritischer beäugt als anno dazumal. Sie sind vermehrt mit Misstrauen, Hass und Zynismus konfrontiert. Und das nicht erst, seit Donald Trump im Weissen Haus den Twitterkanal bedient. «Lügenpresse halt die Fresse», hallte es durch deutsche Strassen, unliebsame Journalisten werden ungehemmt der Verbreitung von Fake-News bezichtigt. Und selbst in unserer beschaulichen Ostschweiz gibt es gestandene Politiker, die hinter jeder halbwegs kritischen Berichterstattung bösartige Verschwörungen vermuten.

Damit es gesagt ist: Ja, es gibt sie, die schludrig arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Es ist richtig, dass den Medien auf die Finger geschaut wird. Und ja, es gibt Medien, die im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit absichtlich Gerüchte und Emotionen schüren, um niederträchtige Instinkte zu bedienen. Doch das ist nicht die Mehrheit. Die meisten Journalistinnen und Journalisten haben diesen Beruf gewählt, um der vermuteten Wahrheit täglich einen Schritt näher zu kommen und die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen.

Das ist sogar bei der öffentlich-rechtlichen SRG so, die derzeit einem Trommelfeuer ausgesetzt ist, das jeder Rationalität spottet. Wohlgemerkt: Die SRG ist keine Säulenheilige der Eidgenossenschaft. Kritik an deren hemmungslosem Expansionskurs ist berechtigt. Medienministerin Doris Leuthard und die Mehrheit des Parlaments haben der SRG keinen Gefallen getan, indem sie diese unter Heimatschutz gestellt haben.

Die Gehässigkeit aber, mit welcher sich die SRG und ihre Angestellten konfrontiert sehen, kaschiert freilich ein Malaise, das tiefer geht. Von rechtsnationalen Politikern bewusst geschürt, hat sich in erstaunlich breiten Kreisen ein argwöhnisches Misstrauen gegenüber sämtlichen sogenannten Systemmedien Bahn gebrochen. Die Krise der SRG, die im dümmsten Fall in einem Ja zur masslosen No-Billag-Initiative gipfelt, ist Ausdruck einer generellen Medienkrise. Sie fördert ein Unbehagen, ja eine latente Aggression gegenüber unabhängigen Journalisten zutage, die gerade auch bei Politikern verbreitet ist. Wo Recherchen zu dubiosen Geschäften global agierender Firmen pauschal als Moralkampagne linker Träumer denunziert werden, ist etwas faul im Staat. Es gibt sie auch bei uns, die Frauen und Männer, die lieber Hofberichterstatter hätten statt Redaktoren, die hartnäckig nachfragen. Die Filterblasen, in welchen wir uns vorab in den sozialen Medien bewegen, haben leider wenig zu einer besseren Akzeptanz anderer Meinungen beigetragen. Im Gegenteil. Man klopft sich lieber unter seinesgleichen auf die Schultern. Die Linken bei der WOZ, die Nationalkonservativen bei der «Weltwoche». Abweichende Meinungen waren schon immer out, doch jetzt sind sie geradezu ein Ärgernis.

Unabhängige Medien sind unbequen, sie durchkreuzen mitunter die Pläne von Politikern oder Wirtschaftsführern und treiben damit Debatten voran, die das Fundament einer funktionierenden Demokratie bilden. Starke Medien sind aber auch unbequem für die Bürger. Sie konfrontieren diese mit Realitäten, die verunsichern, die sie nachdenklich stimmen, die ihnen Angst machen. Wer will schon ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer sehen? Oder ständig mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden? Bei No Billag geht es im Kern um die Frage, ob dieses Land Medien will, welche im Interesse der Allgemeinheit die Ruhe stören. Das ist gratis leider nicht zu haben.

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