Lehrpläne und das Stimmvolk

Fast in der ganzen Deutschschweiz sind Forderungen laut geworden, wonach das Stimmvolk über den Lehrplan 21 solle abstimmen können.

Drucken
Teilen

Fast in der ganzen Deutschschweiz sind Forderungen laut geworden, wonach das Stimmvolk über den Lehrplan 21 solle abstimmen können. Für Damian Miller, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, ist dieser Anspruch nach all den Mitsprachen und Vernehmlassungen «nicht hilfreich»: «Mir ist zudem kein Schulsystem bekannt, wo die Basis, die verschiedenen politischen und fachorientierten Interessengruppen bei der Lehrplanentwicklung so viel mitreden können.» Der Lehrplan sei ja auch kein Gesetz, sondern die Ausführung von bereits gutgeheissenen Gesetzen.

Ihm falle überdies auf, dass Lehrpläne nie so viel Akzeptanz geniessen wie kurz vor ihrer Absetzung. Dafür gebe es schwergewichtig zwei Gründe: Zum einen bewege sich die öffentliche Schule seit jeher in einem Spannungsfeld von Kontinuität und Innovation. «Sie steht einerseits unter Traditions- und andererseits unter Reformdruck», sagt Miller. Sobald ein Schulthema Gegenstand einer politischen Diskussion werde, sei die Richtung der Dynamik schwer abzuschätzen. «Bildungspolitische Debatten erreichen sehr schnell den Siedepunkt.»

Zum anderen werde dem Lehrplan in der aktuellen Diskussion die Bedeutung eines Lehrmittels zugeschrieben. «Das ist falsch. Lehrpläne dokumentieren vielmehr Innovationen, die sich in der Praxis bereits bewähren. Sie sind keine Katechismen, sondern in erster Linie Arbeitsinstrumente für Bildungsplanung und Lehrmittelentwicklung, auf die man sich mit verschiedenen Verfahren geeinigt hat.» (win)