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Lega will Swiss-Flugzeuge ohne Schweizer Flagge

Die Rückgabe der Konzession für die Flüge Lugano–Zürich sorgt im Tessin für rote Köpfe.
Gerhard Lob aus Lugano-Agno
Die Tessiner verlangen, dass sie Swiss ohne Schweizerflagge fliegt. (Bild: ky/Christian Beutler)

Die Tessiner verlangen, dass sie Swiss ohne Schweizerflagge fliegt. (Bild: ky/Christian Beutler)

Der Flughafen Lugano-Agno bietet in diesen Tagen ein tristes Bild. Wo normalerweise ein Kommen und Gehen herrscht, ist weitgehend Stille eingekehrt. Mehrere Flugzeuge stehen in der Nähe des Towers, doch nur zwei kleine private Propellermaschinen heben an diesem Nachmittag ab. Die anderen bleiben am Boden, auch der Flieger der Konkurs gegangenen slowenischen Adria-Airways, die im Auftrag der Swiss die Strecke zwischen Lugano und Zürich bediente.

Die Anzeigetafeln für «Arrivi» und «Partenze» sind leer. Wie kann es anders sein, wenn es keine Linienflüge mehr gibt. Auch Tage nach dem Grounding der Adria hält die Situation des Flughafens Agno den Kanton Tessin in Atem und dominiert die politische Debatte. Der Ärger über die Fluggesellschaft Swiss ist gross. In Lugano beziehungsweise bei der Betreibergesellschaft Lugano Airport SA hat man den Eindruck, von der Fluggesellschaft im Stich gelassen worden zu sein.

Swiss hat mittlerweile angekündigt, auf die Konzession für den Betrieb der Strecke gänzlich zu verzichten. «Ich werde keinen Swiss-Flieger mehr besteigen», machte sich Luganos Stadtpräsident Marco Borradori Luft. Das Verhalten von Swiss sei ein Affront für eine ganze Region. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) muss nun prüfen, ob die Rückgabe einer Konzession überhaupt rechtens ist und ob allenfalls Sanktionen drohen.

Denn mit der Konzessionsvergabe sind Rechte und Pflichten verbunden. «Die Prüfung wird noch zwei bis drei Wochen dauern», erklärt ein Bazl-Sprecher auf Anfrage.

Der «Flugzug» verspricht mehr, als er hält

Die Verärgerung über Swiss geht so weit, dass die Lega dei Ticinesi eine kantonale Initiative lanciert hat, mit der sie den Bundesrat auffordert, der Fluggesellschaft Swiss das Recht zu nehmen, die Schweizer Flagge zu verwenden. Gemäss Markenschutzgesetz wäre dies angeblich möglich. «Es ist eine Provokation», räumt Erstunterzeichner Andrea Censi von der Lega ein.

Als seriöser bezeichnet er die zweite Forderung nach einer Aufhebung des Kabotageverbots, damit auch ausländische Flugunternehmen die Inlandstrecke Lugano–Zürich betreiben können. Das Hauptproblem bleibt die Rentabilität einer Flugverbindung von Lugano nach Zürich. Swiss sieht keine Perspektive und hat mitgeteilt, ab 16. Oktober einen «Flugzug» für den Anschluss von Lugano mit Zürich auf die Beine gestellt zu haben.

Ein Flugticket gilt dann auch für das Benutzen des Zuges. Doch diese Ankündigung hat nur neue Polemiken ausgelöst. Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Maurizio Merlo, äusserte die Vermutung, dass die Abmachungen zwischen Swiss und den SBB weiter vorangeschritten waren als bisher geglaubt. Der Name «Flugzug» verspricht indes mehr, als er hält.

Flugticket als Zugticket soll Abhilfe schaffen

Denn de facto kann mit dem Ticket nicht einmal ein Sitzplatz im Zug reserviert werden; ein Umsteigen in Zürich HB ist nötig. Economy-Passagiere müssen in der 2. Klasse reisen, die auf der Gotthard-Linie häufig überfüllt ist. Für grosse Gepäckstücke gibt es kaum Platz. Die Swiss spricht von einer «Zwischenlösung».

Derweil droht die defizitäre Betreibergesellschaft des Flughafens Konkurs zu gehen. Im Hinblick auf eine Erhöhung der Beteiligungsquote durch den Kanton hat sich bereits ein Referendumskomitee gegründet, das von der Bewegung für Sozialismus angeführt wird.

«Die Injektion von Geld in diesen toten Patienten ist ein Wahnsinn», sagt ihr Grossrat Matteo Pronzini. Der Flughafen sei nicht mehr zu retten. Man müsse nun eine Konversion planen und Lösungen für das Personal finden, das von Kurzarbeit und Entlassungen bedroht ist. Seine Meinung teilen nicht nur Linke, sondern auch viele Bürgerliche.

Der Tessiner Lega-Regierungsrat Claudio Zali sieht das anders. Er will die Zukunft auch unter Verweis auf 77 Arbeitsplätze, welche allein die Betreibergesellschaft zählt, garantieren. Zali wirft der Bewegung für Sozialismus und den Gewerkschaften vor, sich nicht genügend für die Verteidigung dieser Arbeitsplätze einzusetzen. Auch die Stadt Lugano als Mehrheitseignerin des Flughafens muss entscheiden, wie es weitergehen soll.

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