Lawinenunglücke
Lawinengefahr macht Rettungsorganisationen Sorgen

Die Lawinengefahr in den Bergen bereitet den Walliser Verantwortlichen für Bergrettung Sorgen. Es sei schwierig, die Öffentlichkeit und vor allem Gäste für die Gefahr zu sensibilisieren. Am Freitag wurde im Wallis ein 15-Jähriger verschüttet.

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Der junge Skifahrer aus dem Wallis war im Skigebiet von Nendaz und Veysonnaz abseits der Pisten unterwegs. Er löste eine Lawine aus und wurde mitgerissen. Verletzt wurde er in ein Spital nach Sitten geflogen.

In den Walliser Alpen war die Lawinengefahr am Freitag fast überall erheblich. Das entspricht der dritten von fünf Gefahrenstufen. Erhebliche Lawinengefahr herrscht nach Angaben des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) auch in weiten Teilen von Graubünden und im Gotthardgebiet.

Fast zeitgleich mit dem Unfall warnten Vertreter der Walliser Rettungsorganisationen, Bergbahnbetreiber und Bergführer in Sitten an einer Medienkonferenz vor der gefährlichen Situation abseits der Pisten. Daran werde sich in den nächsten Tagen nichts ändern, sagte der Meteorologe Robert Bolognesi.

Schlecht verbundene Schichten

Am Donnerstag seien auf die ohnehin nicht stabile Schneedecke weitere 20 bis 25 Zentimeter sehr kalter Neuschnee gefallen, sagte Eric Balet, Direktor der Bergbahnen von Verbier. Am Freitag und auch am Wochenende werde das Risiko deshalb noch beträchtlich höher sein, dass Skifahrer Lawinen auslösen könnten.

Die Gefahr ist umso schwieriger zu erklären als die Schneemengen derzeit deutlich geringer sind als in der Vorjahresperiode. Die unterste Schneeschicht sei besonders fragil, besonders an Nordhängen und auf über 2000 Metern, sagte Bolognesi. Die verschiedenen Schichten der Schneedecke hätten sich nicht miteinander verbunden.

Für Bolognesi ist die Abstufung des Warnsystems nicht ideal. Die höchsten Stufen 4 "gross" und 5 "sehr gross" entsprächen pro Wintersaison nur 3 Prozent aller Situationen. Die derzeit vorherrschende Stufe 3 betreffe einen Drittel. Diese europaweit geltende Abstufung sei schwierig anzupassen.

Grafische Elemente sollen die Kommunikation verbessern. Die Spezialisten empfehlen zudem, es beim Studium der Lawinenbulletins nicht bei den Farben auf der Karte zu belassen, sondern die Präzisierungen in den Informationstexte zu lesen.

"Eine Person im Hang"

Pierre Mathey, Präsident des Schweizer Bergführerverbandes, erinnerte daran, dass 90 Prozent der Lawinen von den Opfern selbst ausgelöst werden. Zu oft würden die Skifahrer ausserhalb der Pisten in Kolonnen in die Hänge fahren. Er erinnerte an die goldene Regel, dass jeweils nur eine Person einen Hang befahren sollte.

Mathey und Balet haben festgestellt, dass die Zahl der Freerider buchstäblich explodiert ist. Ein Grund sei das bessere Können der Skifahrer, sagte Balet.

Die heutigen Ausrüstungen seien zudem für Tiefschnee besser geeignet und ermöglichten es den Skifahrern, Gebiete zu befahren, die einst für mehr Menschen als heute als schwierig gegolten hätten. "Die Menschen kommen für einen Adrenalinschub zu uns."

Sieben Tote zwischen Weihnachten und Neujahr

Der Vertreter der Rettungsteams bestätigte dies: "Wir müssen immer öfter Menschen aus Couloirs, Felswänden und heiklen Passagen retten", sagt Pascal Gaspoz von der Rettungsorganisation "Maison du Sauvetage". Die Betreiber der Skigebiete ihrerseits rüsten sich, indem sie Ausbildungen für die Lawinenrettung anbieten und nach und nach auch gesicherte Freeride-Zone einrichten.

Zwischen Weihnachten und Neujahr waren in den Schweizer Alpen sieben Menschen in Lawinen ums Leben gekommen. Drei Unglücke ereigneten sich im Wallis, zwei im Kanton Graubünden und je eines bei Realp UR im Gotthardgebiet und in den Waadtländer Alpen oberhalb von Bex.

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