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Angekündigt, aber nicht erschienen - Versteckspiel um das Lauber-Buch

Seit mehreren Jahren arbeitet ein Bediensteter des Bundesanwalts an einem Buch über die Behörde und deren Chef. Aber die Bundesanwaltschaft erklärt das Lauber-Buch zur Verschlusssache.
Henry Habegger
Und das Buch? Bundesanwalt Michael Lauber am Mittwoch nach seiner Wiederwahl in Bern. (Peter Schneider/Keystone)

Und das Buch? Bundesanwalt Michael Lauber am Mittwoch nach seiner Wiederwahl in Bern. (Peter Schneider/Keystone)

Erste Spuren davon fanden sich vor über drei Jahren. «Blaser schreibt im Auftrag von Lauber ein Buch, er wird dafür über die Pension hinaus weiterbeschäftigt», raunte gegen Mitte 2016 ein Insider. Gemeint war Jürg Blaser, Mann für alle Fälle von Bundesanwalt Michael Lauber. Er war zuvor Laubers Rechtsdienstchef, aber damals schon seit kurzem pensioniert.

Erwartet wurde eine Hagiografie

Einige Beobachter vermuteten, Blaser verfasse eine Hagiografie, also eine Art Heldengesang über den Chef.

Am 3. Juni 2016 fragte CH Media bei der Bundesanwaltschaft nach: Stimmt das mit Blaser und dem Buch, und dass Lauber zwei seiner engsten Vertrauten über die Pensionierung hinaus weiter beschäftige?

Ja, Blaser sei wie einem zweiten Pensionär ein «befristetes Mandat erteilt» worden, war die Antwort der Bundesanwaltschaft. «Ausserdem wurde einem dieser ehemaligen Mitarbeiter der Auftrag erteilt, ein Buch über die BA zu schreiben, welches der geschichtlichen Entwicklung gewidmet sein wird sowie die Mechanismen der BA von den Anfängen bis heute darlegen wird. Die Publikation ist auf den Umzug der BA in die neuen Lokalitäten geplant, dessen Datum heute noch nicht feststeht.»

Termin: der Umzug an den Guisanplatz

Über den Autor des Buchs schwieg sich die BA also aus, aber immerhin war jetzt klar: Das Buch sollte gleichzeitig mit dem Umzug der Bundesanwaltschaft von der Taubenstrasse unterhalb des Bundeshaus an den Guisanplatz publiziert werden.

Im März 2017 fragte CH Media nach, was das Buch eigentlich koste. Anlass war eine öffentlich vorgetragene Klage des Bundesanwalts, dass er geforderte Einsparungen ohne Abstriche an der Strafverfolgung nicht erbringen könne. André Marty, Informationschef der BA, hatte zuvor das sinnige Gleichnis entworfen, wonach die Kriminellen mit dem Ferrari unterwegs seien, der Bundesanwaltschaft aber per Trottinett.

Auf die Frage nach dem Buch und seinen Kosten hielt Marty damals fest: «Der Auftrag, eine Konzeption für ein Buch über die BA zu erstellen, ist in der Anfangsphase. Es gibt dementsprechend noch keine Kostenaufstellung.»

Es war so weit. Aber wo blieb das Buch?

Zwei weitere Jahre gingen ins Land, Blasers Mandat bei der Bundesanwaltschaft lief weiter. Gegen Ende Juli 2019 war es soweit: Die Bundesanwaltschaft zog in das neue Verwaltungsgebäude am Guisanplatz 1 um.

Das war also der Moment, in dem gemäss langjähriger Planung das mit Spannung erwartete Buch über Lauber und die BA veröffentlicht werden sollte. Das Buch, das unter anderem «Mechanismen der BA von den Anfängen bis heute darlegen» sollte. Womöglich, so hofften Optimisten, würde man auch mehr über die neuartigen Mechanismen erfahren, die hinter Laubers nicht-protokollierten Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino stecken.

Aber das Buch kam nicht. Die BA haust längst am Guisanplatz, aber vom Buch ist nichts zu sehen. Am Autor kann es nicht fehlen, denn Blaser war weiter bei der BA aktiv, so stellte er als «ausserordentlicher Staatsanwalt des Bundes» ein Strafverfahren gegen den Lobbyisten Thomas Borer und den ehemaligen SVP-Nationalrat Christian Miesch ein. Da war es um angebliche Bestechlichkeit gegangen.

Wo ist das Lauber-Buch? Auf Anfrage antwortete die Bundesanwaltschaft am 9. September 2019 :«Die diesbezügliche Kommunikationslage ist unverändert, das heisst: Das Buch über die Bundesanwaltschaft (BA) ist nach wie vor in Bearbeitung.»

Da drängten sich Nachfragen auf: Nach dem Grund für die Planänderung, nach dem neuen Publikationstermin, nach den Kosten bis Fertigstellung?

Die Antwort, die gleichentags von der BA kam: «Danke für die Nachfragen. Die Bundesanwaltschaft geht nicht über das Ihnen bereits zugesandte Statement hinaus.»

Das ominöse Lauber-Buch, ein Geheimprojekt also, eine Verschlusssache.

Nicht ganz so geheim ist der Autor unterwegs, Jürg Balser, Mann für alle Fälle des Bundesanwalts. In den letzten Tagen gehörte er zum Detachement, das der Bundesanwalt zwecks Lobbying in die Wandelhallen des Bundeshauses geschickt hatte. Blaser sprach, wie Betroffene berichten, Parlamentarier an und empfahl ihnen wärmstens die Wiederwahl seines Chefs.

Jetzt ist Lauber wiedergewählt. Aber wo ist sein Buch?

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