Lange Wege zur Schlachtbank

Der Ständerat ist gegen ein schärferes Transitverbot für Schlachttiere. Gesetze für die Galerie zu machen sei unsinnig, sagte Agrarministerin Doris Leuthard – und fand erstaunlich viel Gehör.

Jürg Ackermann
Merken
Drucken
Teilen
Wenn Tiere unter Stress leiden, leidet auch die Fleischqualität. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Wenn Tiere unter Stress leiden, leidet auch die Fleischqualität. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

bern. Rinder und Schweine haben es in der Schweiz meist besser als in der EU. Während hierzulande Tiertransporte auf sechs Stunden beschränkt sind, dürfen in Europa lebende Tiere tagelang, zusammengepfercht in Lastwagen, durch die Gegend gekarrt werden. Weil das Schlachten in Italien oder in Osteuropa billiger ist als in Norddeutschland, sparen die Fleischverarbeiter Geld – auf Kosten des Tierwohls.

Verbot für Hühner und Pferde

Diese Praxis ist in der Schweiz nicht nur den Tierschützern ein Dorn im Auge. Der Bund hat darum schon vor Jahren eine Regelung erlassen, die den Transport von lebenden Tieren aus der EU durch die Schweiz verbietet. Im Frühling ging der Nationalrat noch einen Schritt weiter, indem er das Transitverbot für Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine auf Hühner und Pferde ausweitete.

Um den Tierschutzbemühungen Gewicht zu verleihen, beschloss der Nationalrat grossmehrheitlich, diese Ausweitung des Verbots im Gesetz statt nur in der Tierschutzverordnung zu verankern. Die schärfere Regelung war auch als Signal an die Adresse der EU gemeint. Allfälligen Wünschen aus Brüssel, das Transitverbot zu lockern, sollte von vornherein eine Absage erteilt werden.

«Gehen Sie besser nach Brüssel»

So weit kommt es jetzt aber (noch) nicht. Der Ständerat hat sich gestern nämlich geweigert, ein Zeichen für mehr Tierschutz zu setzen. Eine äusserst knappe Mehrheit von 19:18 Stimmen stellte sich mit Bundespräsidentin Doris Leuthard auf den Standpunkt, es bringe nichts, nur ein Gesetz für die Galerie zu machen. «Es gibt seit Jahren keine EU-Tiertransporte durch die Schweiz hindurch», sagte eine leicht genervte Agrarministerin. Es ergebe darum keinen Sinn, etwas zu regeln, das nicht geregelt werden müsse.

«Gehen Sie besser nach Brüssel und setzen Sie sich dort ein für mehr Tierschutz. Dazu wünsche ich Ihnen Glück.» Sukkurs erhielt die Agrarministerin von Fleisch-Lobbyist Rolf Büttiker (FDP). Der Solothurner Ständerat sagte, das Problem löse sich von alleine. Denn auch die Fleischverarbeiter hätten ein Interesse an kurzen Schlachtwegen: «Wenn Tiere unter Stress leiden, gibt es das schlechtere Fleisch.»

Lebend durch ganz Europa

Nur: Die Befürworter wollten dem guten Willen der Metzger keinen Glauben schenken. Man müsse kein extremer Tierschützer sei, um Gründe für ein weitergehendes Verbot zu finden, sagte Felix Gutzwiller (FDP/ZH). «Die Frage, weshalb eine Kuh lebend durch ganz Europa gefahren wird, hat noch niemand schlüssig beantwortet.» Es gebe ausschliesslich «primitivste wirtschaftliche Gründe» für die langen Schlachtwege, doppelte Anita Fetz nach. «Dazu kann die Schweiz getrost Nein sagen.

» Der Ständerat tat es nicht. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Die Vorlage geht nun zurück in den Nationalrat, der auf dem schärferen Verbot beharren dürfte.