Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LANDWIRTSCHAFT: Bauernpräsident unter Druck

Wie sollen sich die Bauern gegen den vom Bundesrat geplanten Grenzschutzabbau wehren? Darüber wird in der Landwirtschaft heftig gestritten. Mittendrin steckt Verbandspräsident Markus Ritter.
Eva Novak
Mit 40 Leuten am Tisch will Markus Ritter nicht diskutieren. (Bild: Ralph Ribi (Altstätten, 1. Dezember 2017))

Mit 40 Leuten am Tisch will Markus Ritter nicht diskutieren. (Bild: Ralph Ribi (Altstätten, 1. Dezember 2017))

Eva Novak

Über Existenzfragen diskutiere man nicht, loben ihn die einen für seinen Entscheid, dem Agrargipfel in zehn Tagen fernzubleiben. Wer nicht mitrede, könne nicht mitbestimmen, kritisieren die anderen und fordern ihn ultimativ auf, «seine Verweigerungshaltung aufzugeben». Adressat ist in beiden Fällen Markus Ritter. Der Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV) und St. Galler CVP-Nationalrat steckt in der Zwickmühle.

Dorthin gebracht hat ihn die «Gesamtschau zur mittelfristigen Entwicklung der Agrarpolitik», welche einen Abbau der Agrarzölle für landwirtschaftliche Produkte postuliert. Vergangenen November hat der Bundesrat das Konzept verabschiedet – nicht zuletzt, um ein Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsraum Mercosur abschliessen zu können und damit die Interessen der Schweizer Exportindustrie zu wahren.

Eiszeit zwischen Ritter und Schneider-Ammann

Seitdem ist die Stimmung zwischen Ritter und Agrarminister Johann Schneider-Ammann «nahe am Gefrierpunkt», wie die Zeitung «Schweizer Bauer» rapportiert. Der SBV-Präsident weigert sich standhaft, am Mercosur-Agrargipfel teilzunehmen, an dem Schneider-Ammann den Puls von Wirtschaft und Landwirtschaft nehmen möchte. Ausgeschlagen hat Ritter auch die Einladung, Schneider-Ammann auf seiner Südamerika-Reise zu begleiten.

Was dem obersten Bauern zunächst Lob von der Basis eintrug, bringt ihn jetzt zunehmend unter Beschuss. In einem offenen Brief fordert der Verein für eine produzierende Landwirtschaft (VPL) den SBV auf, «seine Verweigerungshaltung aufzugeben» und am Gipfel teilzunehmen, sonst erleide der Bauernverband einen Reputationsschaden. Die Landwirtschaft dividiere sich auseinander, sagt VPL-Präsident und ehemaliger Berner SVP-Nationalrat Rudolf Joder. Denn verschiedene Branchenverbände wie jener für Milch, Obst, Fleisch oder Getreide seien sehr wohl am runden Tisch dabei.

«Wir müssen reden, sonst haben wir schon verloren», sagt der Schwyzer SVP-Nationalrat Marcel Dettling. Schliesslich gehe es auch darum, Verbündete im Kampf gegen die Aufhebung des Grenzschutzes zu suchen. Indem er darauf verzichte, fahre der Bauernverband «eine Hochrisikostrategie».

Eine ähnliche Haltung vertritt der einflussreiche bernische Kantonalverband. «Wir Berner sind konsensorientiert», sagt Geschäftsführer Andreas Wyss. «Viele Leute von der Basis erwarten, dass man den Dialog sucht, weil nur der Dialog zu Lösungen führt.» Gesprächsverweigerung hingegen bringe nichts. «Es entspricht den schweizerischen Gepflogenheiten, dass man auch in schwierigen Situationen miteinander spricht», meint auch der freisinnige FDP-Nationalrat Walter Müller.

Sein Luzerner Namensvetter und CVP-Nationalrat Leo Müller widerspricht: Der Bundesrat habe den Streit verursacht, indem er ein Konzept vorgelegt habe, das die Landwirtschaft in eine ganz schwierige wirtschaftliche Lage brächte. «Nun müsste er die Grösse haben», so Leo Müller, «und zu einem bilateralen Gespräch Hand bieten.» Zumal er bereits beim Erarbeiten des Konzeptes die Bauern übergangen habe.

«Wir wollen keinen Streit, sondern möchten reden», beteuert auch der SBV-Präsident – und zwar zunächst über die Zusammenarbeit und die Kommunikation. Allerdings nicht mit mehr als 40 Leuten am runden Tisch, denn das sei kaum zielführend. Sondern im kleinen Kreis.

Ein solches Gespräch habe Bundesrat Schneider-Ammann jedoch bislang abgelehnt. «Wir haben ihm zwei Briefe geschrieben, vergeblich», bedauert Ritter. Nun wisse er auch nicht, was er noch tun könne. «Ich kann ihn ja nicht zwingen. Ich kann nicht bei ihm einbrechen und kann ihn auch nicht einfach an seinem Wohnort abpassen und auf die Zusammenarbeit mit dem Bauernverband ansprechen, wenn er mit seinen Hunden spazieren geht.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.