Kurzarbeit soll verlängert werden

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sieht die Schweizer Industrie in einer heiklen Lage. Um Entlassungen zu verhindern, will er dem Bundesrat nun vorschlagen, die Kurzarbeit auszudehnen.

Roger Braun/Jürg Ackermann
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Johann Schneider-Ammann: «Das Risiko, dass weitere Firmen ins Ausland verlagern, besteht.» (Bild: Ralph Ribi)

Johann Schneider-Ammann: «Das Risiko, dass weitere Firmen ins Ausland verlagern, besteht.» (Bild: Ralph Ribi)

Laut Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann wird es sich erst in zwei, drei Jahren zeigen, welchen Schaden die Frankenstärke in der Schweizer Industrie angerichtet hat. Derzeit verzichteten viele Firmen auf Margen, um die Arbeitsplätze zu sichern, sagt der FDP-Bundesrat im Interview. «Dieses Geld fehlt ihnen später, um zu investieren.» Schneider-Ammann sieht die Gefahr, dass weitere Industriebetriebe ins Ausland verlagern, wie es in der Ostschweiz bereits der Fensterhersteller Ego Kiefer oder der Schleifmittelproduzent Sia Abrasives angekündigt haben.

Von 12 auf 18 Monate

Um den Unternehmen mehr Zeit zu geben, sich an die verschärfte Wettbewerbssituation anzupassen, möchte Schneider-Ammann nun die Kurzarbeit verlängern. Seit Februar können Betriebe während zwölf Monaten auf Kurzarbeit setzen. Dabei reduzieren die Unternehmen die Arbeitszeit der Arbeitnehmenden, während der Staat für 80 Prozent der Lohnausfälle aufkommt. Damit sollen die Firmen davon abgehalten werden, vorschnell Arbeitsplätze abzubauen. Schneider-Ammann sagt nun: «Ich werde dem Bundesrat beantragen, die Unterstützung für Kurzarbeit auf 18 Monate auszudehnen.» Schneider-Ammann bestätigt weiter, dass er nächstes Jahr als Bundespräsident eine Reise in den Iran plant.

Lieber Kritik als Arbeitslose

Zu seinem eigenen Befinden äussert er sich positiv. Den Wechsel vom Unternehmer zum Bundesrat habe er nie bereut. «Ich übe mein Amt mit grosser Begeisterung aus.» Auch mit Kritik habe er gelernt zu leben. «Solange wir es schaffen, die Beschäftigung hochzuhalten und den Arbeitsmarkt nicht zusätzlich zu regulieren, lasse ich mich auch kritisieren, wenn das einige für nötig erachten.»

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 29. November.