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KULTURPOLITIK: Umstrittene "Preisflut" des Bundes

Über fünf Millionen Franken hat der Bund im vergangenen Jahr für Kulturpreise ausgegeben. Das ist deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Nicht alle haben Freude an dieser Entwicklung.
Michel Burtscher
Alain Berset bei der Verleihung des Literaturpreises 2017 in Bern. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Alain Berset bei der Verleihung des Literaturpreises 2017 in Bern. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Michel Burtscher

Das Jahr ist noch jung, die Award-Saison hierzulande aber bereits in vollem Gang: Vor rund einem Monat wurden in Bern die Schweizer Literaturpreise vergeben, auch die Gewinner des Wettbewerbs «Die schönsten Schweizer Bücher» sowie der drei «Prix Meret Oppenheim» wurden bereits bestimmt. Was diese Auszeichnungen alle gemeinsam haben: Finanziert werden sie vom Bund beziehungsweise dem Bundesamt für Kultur (BAK).

Dieses vergibt jedes Jahr eine Vielzahl von Auszeichnungen in den verschiedensten Sparten – und seit dem Jahr 2012 kamen immer mehr dazu. Die Ausgaben für die Kulturpreise des Bundes haben seither denn auch deutlich zugenommen: von 2,9 Millionen auf rund 5 Millionen Franken in den letzten Jahren (siehe Grafik). Darin enthalten sind die Preisgelder sowie die Kosten für die Organisation der Anlässe, für Werbung, Promotion, Dokumentation und Kommunikation. Im vergangenen Jahr verteilte das BAK gemäss eigenen Angaben insgesamt über 70 Preise. Die meisten davon waren dotiert mit 25000 Franken, es gab aber auch mehrere «Grand Prix» mit einem Preisgeld von je nach Sparte 40000 oder sogar 100000 Franken.

Ein Meilenstein in der Laufbahn der Künstler

Ursprung der «Preisflut», wie sie Kritiker nennen, ist das Kulturförderungsgesetz, das im Jahr 2012 in Kraft trat. Bereits vorher vergab der Bund regelmässig Kunst- und Designpreise. Doch seither wurden schrittweise auch Auszeichnungen für die Kultursparten Literatur, Tanz, Theater und Musik eingeführt. BAK-Sprecherin Anne Weibel schreibt auf Anfrage, der Bund wolle mit der Vergabe von Auszeichnungen und Preisen die Leistungen des Schweizer Kulturschaffens würdigen und damit auf nationaler und internationaler Ebene auf deren Stellenwert aufmerksam machen. Die Preise seien Förderungs- und Promotionsinstrument zugleich und für «alle Preisträger ein Meilenstein in ihrer Laufbahn».

Kritische Stimmen im Parlament

Doch die Zunahme an Kulturpreisen birgt auch Risiken: Wenn immer mehr Auszeichnungen um Aufmerksamkeit buhlen, besteht die Gefahr, dass deren Wirkung abnimmt. Neben dem Bund würdigen jedes Jahr nämlich auch unzählige Kantone, Gemeinden und private Organisationen Künstlerinnen und Künstler für ihr Schaffen. So schrieb der Regierungsrat des Kantons Thurgau in seiner Vernehmlassungsantwort zur letzten Kulturbotschaft: «Die Flut an Preisen verhindert die Wahrnehmbarkeit für die Preisträgerinnen und Preisträger nach aussen und entwertet so sowohl die Preisträgerinnen und Preisträger wie auch die Preise.» Der Buchhändler und -Verlegerverband wiederum bemängelte, dass der Bund mit seinen Literaturpreisen «mit unverhältnismässig viel Geld» eine Preisveranstaltung durchführe, die den eigenen Buchpreis des Verbandes «nicht sinnvoll ergänzt, sondern konkurrenziert».

Auch im Parlament in Bern gibt es skeptische Stimmen. Eine davon gehört Joachim Eder. Der Zuger FDP-Ständerat sagt mit Blick auf die Ausgaben für die Kulturpreise das BAK: «Fünf Millionen Franken sind ein stolzer Betrag, immerhin geht es um Steuergelder.» Die Ausgaben sind aber durchaus politisch legitimiert: Das Budget für die Preise wurde in der Kulturbotschaft festgelegt, welche vom Parlament verabschiedet wurde. Eder sagt darum, er wolle ein besonderes Augenmerk legen auf diesen Aspekt, wenn im Parlament die nächste Kulturbotschaft und damit auch der Kredit für die Preise diskutiert wird.

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