Kriminelle lauern öfter im Netz

In der Schweiz sind die Meldungen krimineller Machenschaften im Internet auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Meldungen zu verbotener Pornographie stehen zum erstenmal nicht mehr an erster Stelle.

Léa Wertheimer
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Neuer Rekord: Die Verdachtsmeldungen über kriminelle Handlungen im Internet nehmen stark zu. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Neuer Rekord: Die Verdachtsmeldungen über kriminelle Handlungen im Internet nehmen stark zu. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Betrug, verbotene Pornographie, Erpressung, Drohungen: Dass sich im Internet Kriminelle tummeln, ist bekannt. Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) verbuchte im vergangenen Jahr aber einen neuen Rekord der Verdachtsmeldungen: Erstmals sind 2012 mehr Hinweise zu Wirtschaftsdelikten als zu verbotener Pornographie eingegangen.

Die Kobik verzeichnete insgesamt 8241 Verdachtsmeldungen, 55 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Pikant: Über 80 Prozent haben sich als tatsächlich strafrechtlich relevant entpuppt, wie Thomas Walter, Kommissionsleiter von Kobik, bestätigt. Ein genaues Abbild über die Internetkriminalität geben die Zahlen allerdings nicht, sagt er. Denn die Dunkelziffer sei wohl hoch.

Die gemeldeten Delikte betrafen nebst verbotener Pornographie mit Kindern insbesondere Betrug, Spam, Datenbeschädigung oder Phishing. Dabei versuchen Kriminelle per E-Mail oder Kurznachrichten an Daten eines Internetbenutzers zu gelangen, um mit den erhaltenen Daten beispielsweise ein Konto zu plündern.

Misstrauen fehlt

Bereits in den vergangenen Jahren war eine stetige Zunahme der Meldungen zu strafbaren Handlungen gegen das Vermögen festgestellt worden. Mit insgesamt 3260 Meldungen wurde erstmals die Zahl der Meldungen zu strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität übertroffen, die sich auf 3083 Meldungen belief. Dass die Zahl der Meldungen zunimmt, erstaunt Walther nicht. Er sieht verschiedene Gründe dafür. Einerseits sei die Bevölkerung durch Warnungen und Medienberichte sensibilisiert. «Andererseits darf man nicht ausser Acht lassen, dass die Anzahl Internetnutzer stetig zunimmt.» Heute würden 80 Prozent der Schweizer das Internet mehrmals wöchentlich nutzen.

Und nicht nur das. Immer häufiger nutzen die Schweizer das Internet als Plattform, um Geschäfte zu tätigen. Seien es nun Schuhe, Lebensmittel, Elektronik: Onlineshops boomen, und immer häufiger wickelt man gar die Bankgeschäfte übers Netz ab. Das dürfte wohl mit ein Grund für den markanten Anstieg der gemeldeten Vermögensdelikte sein, sagt Thomas Walther. «Erstaunlicherweise überlassen Menschen ihre Daten anderen im Internet leichtgläubiger als im realen Leben», fügt er an. Kaum jemand würde einem Fremden auf der Strasse seinen Kreditkartencode oder ein wichtiges Passwort anvertrauen. «Auch wenn er einen Anzug trägt und seriös wirkt», sagt Walther. Im Internet sei das anders. «Das macht das Netz für Kriminelle attraktiv. Sie können mit verhältnismässig wenig Aufwand eine grosse Anzahl Personen erreichen.» Tatsächlich gehen dubiose E-Mails kaum je an nur eine Person, sondern werden zu Hunderten oder Tausenden grenzüberschreitend verteilt. «Wichtig ist, dass wir mit anderen Staaten, Interpol und Europol zusammenarbeiten», erklärt Walther. Ein Beispiel für grenzüberschreitende Aktivitäten seien sogenannte Ransomware. Programme, mit deren Hilfe ein Eindringling den gesamten Computer blockieren kann. Oft würden dann «Bussen» verlangt, damit das System wieder freigegeben werde, erklärt der Experte. «Die Täter können in verschiedenen Ländern sitzen und sich die Arbeit aufteilen.»

Anstieg bei Sexualdelikten

Erneut angestiegen ist aber auch der Anteil der Meldungen im Bereich der strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität. Der Grossteil dieser Meldungen betraf den Vertrieb von verbotener Pornographie mit Kindern über vereinzelte Webseiten mit Sitz im Ausland. Zusätzlich wurde die Kobik in über 300 Fällen auf Seiten mit pornographischen Inhalten aufmerksam gemacht.

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