Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KRIMINALITÄT: Die Einbruchswelle ebbt weiter ab

2012 wurde in der Schweiz 202-mal pro Tag eingebrochen, bis 2017 ist diese Zahl auf 113 gesunken. Das liege an verstärkten Polizeikontrollen und einer sensibilisierten Bevölkerung, sagen Experten – und warnen davor, nun die Hände in den Schoss zu legen.
Dominic Wirth
Die Zahl der Einbrüche in der Schweiz ist drastisch gesunken (gestellte Szene). (Bild: Silas Stein/DPA)

Die Zahl der Einbrüche in der Schweiz ist drastisch gesunken (gestellte Szene). (Bild: Silas Stein/DPA)

Dominic Wirth

Die Schweiz ist im letzten Jahr sicherer geworden, das zeigen die Zahlen der neusten Kriminalstatistik des Bundesamts für Statistik (siehe Zweittext). Besonders sticht dabei eine Entwicklung ins Auge, nämlich jene bei den Einbrüchen. Seit Jahren werden weniger solche Delikte gemeldet, und auch 2017 hat sich das nicht geändert. Täglich kam es zwar ­immer noch zu 113 Einbruch- oder Einschleichdiebstählen. Noch 2012 wurden indes beinahe doppelt so viele Einbrüche verzeichnet wie im letzten Jahr.

In absoluten Zahlen sieht das dann so aus: 2012 suchten Einbrecher über 73 000 Schweizer Wohnungen, Häuser oder Firmen heim. 2017 waren es nur noch 41 351 (siehe Grafik). Am stärksten betroffen waren die Kantone Genf und Basel-Stadt. Am sichersten vor Einbrechern sind die Bürger in kleinen Kantonen im Landesinnern, den beiden Appenzell etwa oder Uri, Ob- und Nidwalden. Aufgeklärt wurden 16,7 Prozent der Einbrüche.

Mehrheit der Täter sind Ausländer

Es ist noch nicht lange her, dass die Schweiz eine Sicherheitsdebatte führte, befeuert wurde sie vom Höhepunkt der Einbruchswelle im Jahr 2012. Politiker aus den Reihen der SVP stellten die Schweizer Teilnahme am Schengen-Abkommen in Frage und forderten schärfere Grenzkontrollen. Polizeivertreter setzten sich für härtere Strafen gegen Einbrecher ein. Nun hat sich die Lage innert weniger Jahre entspannt. 2017 wurde in der Schweiz so wenig eingebrochen wie noch nie seit der Überarbeitung der polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2009. Von 73714 Einbrüchen auf noch 41351, und das in nur fünf Jahren – wie ist es dazu gekommen?

Stefan Blättler, Kommandant der Berner Kantonspolizei und zugleich ­Präsident der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS), sieht eine Reihe von Ursachen. «Im ganzen Land wurde in den letzten Jahren vor dem Hintergrund der hohen Einbruchszahlen viel gemacht. Das gilt sowohl für den Repressions- als auch für den Präventionsbereich», sagt Blättler. In vielen Kantonen wurde etwa die Polizeipräsenz situativ erhöht und auch die Zahl der Kontrollen an neuralgischen Verkehrspunkten.

Blättler sagt, er freue sich über die Entwicklung, aber spricht auch die tiefe Aufklärungsquote an – und einen Entscheid des Bundesgerichts, der laut dem KKPKS-Präsidenten eine Verschlechterung dieser Quote nach sich ziehen könnte. Ende 2014 verschärften die Richter in Lausanne mit einem Leitentscheid die Spielregeln bei der DNA-Erfassung. «Dieser Entscheid hat uns stark eingeschränkt, wir können nun viel weniger DNA-Abstriche erfassen und mit Spuren abgleichen», sagt Blättler, und: «Wir müssen uns nichts vormachen: Es könnte dadurch langfristig für Kriminaltouristen wieder interessanter werden, in die Schweiz zu kommen.» 2017 stammten von den rund 4500 polizeilich registrierten Tatverdächtigen bei Einbrüchen knapp 2900 aus dem Ausland; von ihnen waren 1750 – legal oder illegal – nur temporär im Land.

Prävention wird nochmals verstärkt

Markus Stauffer von der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) glaubt, dass die Schweiz für solche Kriminaltouristen weniger attraktiv ist als früher. Er führt das auch auf eine stärker sensibilisierte Bevölkerung zurück, die nicht nur genauer hinschaut und Verdächtige schneller bei der Polizei meldet – sondern auch verstärkt in Abwehrmassnahmen investiert, einbruchssichere Fenster oder Türen etwa. «Ein Einbruch dauert dadurch deutlich länger, das Risiko für den Täter wird grösser. In der Folge weichen sie eher in andere Regionen, bestenfalls andere Länder aus», sagt er. Stauffer warnt aber davor, angesichts der rückläufigen Einbruchszahlen die Hände in den Schoss zu legen. «40 000 Einbrüche, das ist immer noch viel», sagt er. Nach den Sommerferien startet die SKP deshalb den Verein «Sicheres Wohnen Schweiz». Mit ihm soll die Einbruchschutzberatung verbessert und vereinheitlicht werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.