Kommentar

Krawall-Politiker Glarner als Signal an die SVP? Ein kolossaler Fehlschluss

Die SVP Schweiz sucht einen neuen Präsidenten. Braucht es jetzt einen Scharfmacher, einen helvetischen Donald Trump? Das wird in der Schweiz nicht funktionieren. Ein Kommentar.

Patrik Müller
Drucken
Teilen
Nationalrat Andreas Glarner nach seiner Wahl zum Präsidenten der Aargauer SVP am 15. Januar 2020 in Lupfig.

Nationalrat Andreas Glarner nach seiner Wahl zum Präsidenten der Aargauer SVP am 15. Januar 2020 in Lupfig.

Alex Spichale, AGR

Wer führt nach Albert Rösti die SVP zum Erfolg zurück? Dass die Aargauer Kantonalpartei diese Woche den Berufsprovokateur Andreas Glarner zu ihrem Präsidenten gewählt hat, wurde da und dort als Signal an die Bundespartei gewertet: Nur mit einem wie Glarner sei der Turnaround zu schaffen. Ein kolossaler Fehlschluss!

Denn der Trump-Stil, den Glarner einzuschweizern versucht, verfängt hierzulande nicht – anders als in den tief gespaltenen USA. Die Handynummer einer angeblich islamfreundlichen Lehrerin ins Internet zu stellen, die Grenze mit Stacheldraht abzuriegeln, Kopfgeld für einen Sozialhilfe-Empfänger auszusetzen und die Gegner niederzumachen: Solcherlei begeistert den Social-Media-Pöbel und vielleicht zehn Prozent der Bevölkerung.

Doch wer glaubt, diese Art Politik helfe, die SVP von 25 wieder auf 30 Prozent zu bringen, der unterschätzt deren Wähler und die, die es werden könnten. Dieser Stil – und nicht die Positionen der SVP! – hält viele davon ab, der Partei die Stimme zu geben.

Schmelzende Gletscher lassen auch SVP-Herzen nicht kalt

In unserer reifen Demokratie lässt sich mit dem Appell an niedere Instinkte eben kein Staat machen. Auch und gerade auf dem Land nicht. Das «Volk» ist intelligenter und feinfühliger, als manche SVP-Akademiker glauben. Sonst hätten diese das Klimathema nicht erst ignoriert und dann ins Lächerliche gezogen. Schmelzende Gletscher lassen auch SVP-Herzen nicht kalt.

Die SVP braucht jetzt keinen Glarner-Typ. Eher einen Toni-Brunner-Typ. Von den genannten Kandidaten ist dem 38-jährigen Nationalrat Marcel Dettling, einem geerdeten Bauern aus dem Kanton Schwyz, am ehesten zuzutrauen, wieder Wähler über die engste Basis hinaus anzusprechen.

Mehr zum Thema