Krankenkassen und Chirurgen einigen sich nach langem Streit auf ambulante Fallpauschalen

Die Arztrechnungen sollen einfacher werden, jedenfalls bei den ambulanten Eingriffen. Dies planen der Krankenkassendachverband Santésuisse und der Chirurgen-Dachverband FMCH. Sie haben sich auf die Einführung von Fallpauschalen in diesem Bereich geeinigt.

Lucien Fluri
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Mit der Einführung von Fallpauschalen sollen auch die steigenden Kosten im Gesundheitsbereich gebremst werden. Es sei ein «Durchbruch», sagten die beiden Verbandsspitzen gestern vor den Medien.

Künftig sollen demnach die ambulanten Operationen nicht mehr mittels rund 4600 Einzeltarifen abgerechnet werden, sondern über Fallpauschalen, wie es sie bereits bei den stationären Spitaloperationen gibt. Bisher haben sich die beiden Partner in sechs Bereichen geeinigt: Handchirurgie, Radiologie, Kinderchirurgie, Gefässmedizin, Augenchirurgie und Anästhesie. Damit können 67 Operationen und Behandlungen mittels Pauschalen abgerechnet werden. Nicht Teil der Fallpauschalen sind die Hausärzte. Sie leisten den grössten Teil der ambulanten Behandlungen. Pauschalen seien hier nicht so einfach zu realisieren, sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold. Und auch sonst werde man nicht ganz umhin kommen, gewisse Behandlungen weiterhin über den Einzelleistungstarif abzurechnen. Das bisherige Vertragswerk wird nun dem Bundesrat zur Genehmigung unterbreitet. «Wir hoffen, dass es noch in diesem Jahr genehmigt wird», so Nold.

Mit dem System sinke der Aufwand für die Krankenkassen, ist Nold überzeugt. Heute könne eine Rechnung 50 unterschiedliche Punkte umfassen, die jeweils von den Kassen überprüft werden müssen. «Es ist sehr aufwendig.» Nun würden Aufwand und Kosten sinken. Für die Patienten sollen die Rechnungen verständlicher werden.

Je nach Kanton gilt ein anderer Tarif

Die Pauschalen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, je nachdem, ob Löhne und Mieten höher oder niedriger sind. Für die Ärzte sei die Vergütung fair und kostendeckend, sagte FMCH-Präsident Josef E. Brandenberg. Offen ist, ob sich weitere Tarifpartner wie die Spitäler der Lösung anschliessen. Grundsätzlich begrüsse man den eingeschlagenen Weg, heisst es beim Spitalverband H+.

Denn immerhin konnten sich die lange zerstrittenen Tarifpartner auf eine Erneuerung des Abrechnungssystems einigen. Dies ist nicht unerheblich: Auch weil dies bisher nicht gelang, plant der Bundesrat neue Regulierungen: Bereits am Montag debattiert der Nationalrat über ein Kostendämpfungspaket, das ambulante Fallpauschalen und ein nationales Tarifbüro zur Überarbeitung des veralteten Tarifes Tarmed vorsieht. Pius Zängerle, Direktor von Curafutura, dem anderen Krankenversichererverband, begrüsst vor diesem Hintergrund «die wieder funktionierende Tarifpartnerschaft», auch um eine grössere Einmischung des Bundes zu verhindern. Man werde die ambulanten Fallpauschalen bei Curafutura prüfen, sagt er. Letztlich aber müssten die angeschlossenen Krankenkassen entscheiden, «ob diese attraktiv sind».

Curafutura und der Ärzteverband FMH hatten vergangenes Jahr selbst eine Revision des heutigen Tarifsystems Tarmed vorgelegt. Dessen Prüfung ist beim Bundesrat hängig. Santésuisse hatte sich dem Projekt nicht angeschlossen. Als Konkurrenz sieht man das Projekt nicht, eben auch, weil weiterhin das Abrechnen von Einzelleistungen nötig sei.