KRANKENKASSEN: Sparen will niemand

Eigentlich ist doch alles halb so schlimm. Denn entgegen anderslautender Befürchtungen steigen die Krankenkassen-Prämien im Schnitt nur um 4,5 Prozent an. Doch ist das wirklich eine beruhigende Nachricht?

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Immer teurere medizinische Versorgung: Die Krankenkassen-Prämien steigen im Schnitt um 4,5 Prozent. (Bild: KEYSTONE)

Immer teurere medizinische Versorgung: Die Krankenkassen-Prämien steigen im Schnitt um 4,5 Prozent. (Bild: KEYSTONE)

Wer genau hinschaut, merkt schnell: Nein! Und zwar nicht nur darum, weil die Kosten jedes Jahr derart rasant zunehmen, obwohl die Teuerung bei null liegt.

Natürlich: Es gibt die Alterung der Gesellschaft. Und es gibt den Fortschritt in der Medizin, der mit immer kostspieligeren Therapien zum Beispiel vielen Krebskranken Hoffnung macht. Und es gibt den Patienten, der sich zwar über die hohen Prämien aufregt, selber aber nicht bereit ist, Abstriche an ärztlichen Leistungen in Kauf zu nehmen. Doch das ist nicht die ganze Erklärung für das ungebremste Kostenwachstum.

Das Trauerspiel um den Tarmed, bei dem sich Hausärzte und Spezialisten nicht einig werden, wie viel sie für medizinische Leistungen verrechnen, zeigt exemplarisch: Es fehlt den Akteuren im Gesundheitswesen weiter am Willen, auf die Kosten zu achten. Es geht ihnen nicht ums Ganze, sondern um die eigenen Interessen: Sparen ja, aber nicht bei uns! Und dazu zählen längst nicht nur die Ärzte, sondern auch die Spitäler oder die Pharmaindustrie.

Ein Ende der Kostenspirale ist darum nicht in Sicht, zumal auch die Politik wenig unternimmt, dem einen Riegel zu schieben, geschweige denn das Stimmvolk, das 2012 die kostensenkende Managed-Care-Vorlage in hohem Bogen verwarf. Darum ist jetzt schon klar: Die Prämien werden nicht nur 2017, sondern auch danach weiter steigen.
 
Jürg Ackermann
juerg.ackermann@tagblatt.ch