Krankenkassen sollen Freizeitsportler belohnen

Ein Fitnessabonnement, Pilateslektionen oder neue Laufschuhe – bezahlt von der Allgemeinheit: Dies fordert die Fitnessbranche mit einer Volksinitiative. Bei Santésuisse, dem Dachverband der Krankenkassen, kommt die Idee schlecht an.

Kari Kälin
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Die Grundversicherung soll die Kosten der Fitnessabos übernehmen. (Bild: ky/Alessandro della Bella)

Die Grundversicherung soll die Kosten der Fitnessabos übernehmen. (Bild: ky/Alessandro della Bella)

Der Startschuss ist erfolgt. Im «Bundesblatt» ist vergangene Woche der Text zur Volksinitiative «Ja zur Bewegungsmedizin» erschienen. Ab Januar will der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) mit der Unterschriftensammlung beginnen. Bereits 150 Fitness-Unternehmen haben zugesichert, sich daran zu beteiligen.

Bewegung anstatt Tabletten, lautet das Credo des SFGV. Er ist überzeugt: Mit diesem Rezept werden langfristig die Ausgaben im Gesundheitswesen eingedämmt. Konkret soll die obligatorische Grundversicherung Fitnessabos berappen, damit weniger Schweizer an Übergewicht und an Folgekrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Auch Krankheiten, die durch körperliche Inaktivität verursacht werden, etwa Rückenschmerzen oder Depressionen, sagt der SFGV den Kampf an. Lukas Zahner, Professor am Departement für Sport, Gesundheit und Bewegung an der Universität Basel, unterstützt die Initianten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und sagt: «Man betreibt in der Schweiz immer noch zu viel Reparaturmedizin, anstatt in die Prävention zu investieren.»

Geld für «anerkannte Fitness»

Als der SFGV im vergangenen März in Luzern erstmals seine Pläne den Medien vorstellte, schlug er vor, dass nur jene Personen profitieren sollen, die ein zertifiziertes Fitnessprogramm absolvieren und testen lassen, ob sich ihr Gesundheitszustand dadurch tatsächlich verbessert.

Unterdessen hat der SFGV den Kreis der potenziellen Nutzniesser ausgeweitet. Auch wer sich in Eigenregie bewegt, zum Beispiel regelmässig läuft, soll profitieren. «Wir wollen Argumente wie <wer bezahlt dann meine Joggingschuhe> entkräften», sagt SFGV-Geschäftsleiter Roland Steiner. Um eine Entschädigung durch die Krankenkasse zu erhalten, müssten die Freizeitsportler einen Test absolvieren, der Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit misst.

Insgesamt hat der SFGV drei Anspruchsgruppen definiert: 1. Menschen, die sich heute kaum bewegen, aber freiwillig mehr tun möchten, soll die Krankenkasse während zweier Jahre sämtliche Kosten für ein Präventionsprogramm, faktisch ein Fitnessabo, entgelten. Im Visier sind hier vor allem übergewichtige und bewegungsarme Personen. 2. Bei Menschen, die sich bereits heute in einem Fitnesscenter oder etwa mit Pilates in Schwung halten, soll die Krankenkasse pro Jahr 80 Prozent der Kosten übernehmen. 3. Menschen, die sich ohne fremde Anleitung bewegen, zum Beispiel joggen, Velo fahren, schwimmen oder Langlauf betreiben, sollen 80 Prozent ihrer Ausgaben rückerstattet erhalten.

Den Initianten schwebt für alle Kategorien eine Obergrenze von 1000 Franken vor.

Subventionen für die Branche?

Bei Santésuisse, dem Dachverband der Krankenkassen, kommt die Initiative der Fitnessbranche schlecht an. Es sei sehr gut, wenn die Menschen Sport treiben würden. «Aber die obligatorische Grundversicherung ist nicht dazu da, um die Fitnessbranche zu subventionieren», sagt Santésuisse-Sprecher Christophe Kaempf. In Sachen Bewegung setzt er auf die Eigenverantwortung der Bürger. Kaempf glaubt auch nicht, dass die Initiative des Fitnessverbandes eine kostendämpfende Wirkung entfaltet. Im Gegenteil: «Wenn auch noch Joggingschuhe, Velos oder andere Sportartikel von der Allgemeinheit mitfinanziert werden, droht vielmehr eine Prämienerhöhung.»

Im Initiativkomitee machen keine Politiker mit. Ganz auf Politikersupport haben die Initianten indes nicht verzichtet: Der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander, selber ehemaliger Leichtathlet, hat den SFGV beraten, etwa beim Verfassen des Initiativtextes. Er begrüsst denn auch die Stossrichtung der Initiative.

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