Krach in der FDP wegen Tierfutter-Import

In der FDP liegen sich Bauern und Wirtschaftsvertreter in den Haaren. Landwirt Walter Müller wirft seinem Parteikollegen Ruedi Noser «perfide Anschuldigungen» vor.

Andri Rostetter
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Ruedi Noser (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Ruedi Noser (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Am Mittwoch hat der Ständerat die Tierbeiträge abgeschafft. Seither brodelt es in der FDP. Auslöser des Streits sind Aussagen von Ruedi Noser. Nach der Debatte im Ständerat sprach der freisinnige Zürcher Nationalrat von einem «Festtag» (Ausgabe vom 13. Dezember). Es könne ja nicht sein, dass «die Hälfte der Schweizer Kühe im Ausland frisst, ihren Mist aber im Inland hinterlässt». Damit hat Noser die Bauernvertreter in seiner Partei in Rage gebracht.

«Völlig falsche Zahlen»

«Kompletter Blödsinn» sei das, sagt Nosers Parteikollege Walter Müller. «Noser bringt völlig falsche Zahlen in Umlauf. Fakt ist, dass 90 Prozent des Futters für die Kühe im Inland produziert werden. Also keine Spur davon, dass die Hälfte der Kühe im Ausland frisst.» Der tiefe Anteil an ausländischem Futter beweise sogar, dass die Schweizer Bauern sehr massvoll mit Importen umgingen, sagt der St. Galler FDP-Nationalrat. Zudem seien die Bauern auf ausländisches Kraftfutter angewiesen. «Sonst würden sie nie die Produktivität erreichen, die der Bund von ihnen fordert.» Gerade Noser, der von den Bauern immer mehr Wettbewerbsfähigkeit fordere, müsste das eigentlich wissen, meint Müller. «Aber er will wohl lieber Milch und Fleisch aus europäischen Tierfabriken importieren.»

Ruedi Noser zeigt sich von Müllers Gegenangriff wenig beeindruckt. «Die Bauern sollen so viel importieren, wie sie wollen. Aber nicht, so lange sie jedes Freihandelsabkommen bekämpfen.» Die Bauern verhielten sich in diesem Punkt höchst widersprüchlich, sagt Noser. «Sie wollen zwar die Versorgungssicherheit verbessern. Aber um die Produktivität zu erhöhen, kaufen sie das Futter für ihre Kühe im Ausland.» Was die falschen Zahlen angeht, sagt Noser: «Entscheidend ist nicht nur, wie viel Futter importiert wird. Sondern auch, wie hoch der Energiewert dieses Futters ist.» Kraftfutter weise einen deutlich höheren Energiewert auf als normales Rauhfutter. «Es würde mich nicht wundern, wenn der Energiewert des importierten Kraftfutters nahezu 50 Prozent des gesamten Futterverbrauchs ausmachen würde.»

Paradoxe Reformpolitik

Ein Blick in die Statistiken des Bundes zeigt: Der Anteil an ausländischem Kraftfutter ist in den letzten 20 Jahren zwar stark gestiegen – von 28 auf über 50 Prozent. Der Verbrauch blieb in dieser Frist aber stabil. Und gemessen am gesamten Futterverbrauch beträgt der Auslandanteil tatsächlich nur 10 Prozent. Grund für gestiegenen Import von Kraftfutter ist die Agrarreform anfangs der 90er-Jahre. Als Folge der Reform halbierten sich die Preise für Schweizer Kraftfutter, die Inlandproduktion sank, der Wegfall wurde mit Importen kompensiert. Der hohe Anteil an ausländischem Kraftfutter ist also das paradoxe Resultat der eidgenössischen Agrarpolitik.

Walter Müller (Bild: Michel Canonica)

Walter Müller (Bild: Michel Canonica)