Fifa-Skandal

Korruptionsexperte: «Die Schweiz ist nicht mehr der Hafen für Piraten»

Der Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth analysiert für die «Nordwestschweiz» die Verhaftung von sieben hochrangigen Fifa-Funktionären.

Etienne Wuillemin
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Mark Pieth soll der FIFA zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen.

Mark Pieth soll der FIFA zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen.

Keystone

Der Auftrag kam im Juni 2011. Der weltweit renommierte Korruptionsexperte Mark Pieth sollte für Sepp Blatter die Fifa-Reformen ankurbeln. Pieth versuchte viel, erreichte einiges, musste am Ende aber auch erkennen, dass er an gewisse Grenzen stösst. Im Herbst 2013 verliess er die Fifa wieder.

Herr Pieth, nach der Verhaftung von sieben Mitglieder behauptet Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio: „Dieser Tag ist ein guter Tag für die Fifa“. Was halten Sie davon?

Mark Pieth: Das nennt sich: Schönreden. Heute ist ein guter Tag – für die Schweiz. Die Schweiz ist nicht mehr der Hafen für Piraten. Es ist das untrügliche Zeichen dafür, nicht mehr alles zu akzeptieren.

Das tönt nach einer schwer verdaulichen Nachricht für die Fifa...

Es ist ein Schock für die Fifa! Die Fifa wird erschüttert davon, dass die Staaten eingreifen. Natürlich ist die Schweiz nicht federführend, das ist die USA, aber die Schweiz leistet Beihilfe – und das ist gut so.

Welche Auswirkungen hat der heutige Tag für die Präsidentschaftswahl vom Freitag?

Das bleibt abzuwarten. Wobei ich davon ausgehe, dass der Kongress Dienst nach Vorschrift leisten wird – und deshalb die Wahl über die Bühne gehen wird.

Die Fifa wirkt überrascht und auch ein wenig hilflos. Wurde sie auf dem falschen Fuss erwischt?

Auf jeden Fall. Was mich besonders erschüttert, ist die Tatsache, dass mit Jeffrey Webb einer der Vizepräsidenten betroffen ist, der (dereinst) als Nachfolger für Sepp Blatter in Frage kam. Auch deshalb ist es umso interessanter, wie der Fall ausgeht. Ich erwarte nun allerdings ein langes juristisches Geplänkel.

Ein Polizeiauto vor dem Hotel Baur au Lac in Zürich.
17 Bilder
Die Funktionäre wurden am Mittwoch im Hotel Baur au Lac von der Polizei abgeführt.
Fifa-Sprecher Walter De Gregorio nimmt Stellung zu den neusten Vorkommnissen
Viele kritische Fragen der Journalisten
Gespanntes Warten im Fifa-Presseraum
Warten auf Blatter und Co.
Auch sie wurden vor der Aktion der Behörden überrascht: Fifa-Delegierte vor einem Hotel in Zürich.
Journalisten arbeiten wo sie können.
Mitarbeiter des Hotels Baur au Lac versuchen die Fifa-Funktionäre bei der Verhaftung vor neugierigen Augen zu schützen.
Eduardo Li - Präsident des Fussbalverbandes von Costa Rica und Exekutivmitglied der Fifa.
Steht auf der Anklageschrift der US-Behörden: Nicolàs Leoz (rechts) - ehemaliger Präsident des Kontinentalverbands südamerikanischer Fussballverbände (CONMEBOL)
José Maria Marin - Präsident des brasilianischen Fussballverbands
Jeffrey Webb - Der Präsident der Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation (CONCACAF).
Gemäss Bundesamt für Justiz soll es um Zahlungen in der Höhe von über 100 Millionen Dollar gehen.
Steht auf der Anklageschrift der US-Behörden: Jack Warner – ehemaliger Fifa-Vize-Präsident und ehemaliger Präsident Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation (CONCACAF)
Eugenio Figueredo - uruguayiuscher Fussballfunktionär und Mitglied des Exekutivkomitees

Ein Polizeiauto vor dem Hotel Baur au Lac in Zürich.

Keystone