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«Macht nur Ärger»: Alt Bundesrätin Elisabeth Kopp geht nicht an den Frauenstreik – sie schlägt dafür ein Label für Lohngleichheit vor

Die erste Bundesrätin der Schweiz nimmt zwar nicht am Frauenstreik teil. Sie macht aber einen konkreten Vorschlag für mehr Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern.
Othmar von Matt
Nimmt nicht am Tag des Frauenstreiks teil: Elisabeth Kopp, die erste Bundesrätin der Schweiz. (Bild: Sandra Ardizzone)

Nimmt nicht am Tag des Frauenstreiks teil: Elisabeth Kopp, die erste Bundesrätin der Schweiz. (Bild: Sandra Ardizzone)

Schnell bildete sich eine Menschentraube, als Elisabeth Kopp (82) letzte Woche in der Wandelhalle des Bundeshauses auftauchte. Die erste Bundesrätin der Schweiz (1984 bis 1989) wollte ihrer Enkelin und dem Urenkel das Gebäude zeigen, in dem sie als Mitglied der Regierung ihre Geschäfte vertrat.

FDP-Präsidentin Petra Gössi begrüsste Kopp genauso wie die FDP-Nationalrätinnen Corina Eichenberger, Daniela Schneeberger und Christa Markwalder. Auch SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel schüttelte der Altbundesrätin die Hand. Auf die Frage, ob sie am Freitag, 14. Juni, am Frauenstreik teilnehmen werde, antwortete Elisabeth Kopp aber entschieden: «Nein, selbstverständlich nicht.» Doch weshalb nicht? «Ich finde den Frauenstreik überflüssig», sagte sie. «Wir haben die Gleichberechtigung. Ein solcher Streik bringt nur Ärger.»

Label für Konsumentinnen

Dass es heute vor allem in Lohnfragen noch immer einen Graben gibt zwischen Frauen und Männern, sieht aber auch sie. Nur denkt sie, es gebe andere Wege als den Streik, um die Situation zu verbessern. «Ich hätte eine viel bessere Idee, um die Lohngleichheit herzustellen», sagt sie. «Hätte ich ein Unternehmen, würde ich Männern und Frauen dieselben Löhne bezahlen und dafür das Label ‹Equal Pay› schaffen.» Kopp glaubt, dass ein «Equal-Pay»-Label denselben Effekt hätte wie das Label Fairtrade. Waren unter diesem Label garantierten seit Jahrzehnten dafür, dass sie nicht mit Kinderarbeit oder unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen produziert worden seien. Gerade Konsumentinnen seien über ein solches Label zu motivieren, sagt sie. «Frauen würden die Produkte kaufen, die unter dem Label «Equal Pay» entstehen.» Elisabeth Kopp hatte die Idee eines «Equal-Pay»-Labels bereits 2014 vorgeschlagen, in einem Artikel in der «Schweiz am Wochenende». «Zu meiner grossen Enttäuschung nahm diesen Vorschlag aber niemand auf», sagt sie. «Dabei wäre es ein vernünftiger Weg. Sinnvoller als ein Streik.»

Kopp gilt als Politikerin, die so viel für die Gleichberechtigung der Schweizer Frauen getan hat wie nur wenige Frauen zuvor. «Als Bundesrätin engagierte sich Kopp für die Besserstellung der Frauen», schreibt Historiker Urs Altermatt im Bundesratslexikon. «Ihr persönlicher Einsatz trug dazu bei, dass das neue partnerschaftliche Eherecht am 22. September 1985 die Hürde des Referendums nahm.» 1986 legte sie dem Parlament den Bericht über das Programm «Gleiche Rechte für Mann und Frau» vor. Auch der Situation der Frauen aus der Dritten Welt in der Schweiz ­widmete sie einen Bericht. Zudem ist die Revision des Bürgerrechts ebenfalls im Kontext der Besserstellung der Frauen zu ­sehen.

Engagement für das Frauenstimmrecht

Kopp hatte sich seit 1957 für die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen engagiert, vor allem auch für das Frauenstimmrecht. 1971 trat sie in der Fernsehdebatte der SRG zur Abstimmungskampagne für das Frauenstimmrecht auf, an der Seite des späteren Bundesrats Hans Hürlimann (CVP). Sie war die erste Frau im Erziehungsrat des Kantons Zürich (1972–1979) und 1974 die erste Gemeindepräsidentin (Zumikon) der Deutschschweiz. Im Gegensatz zu Elisabeth Kopp haben sich die FDP-Frauen kurzfristig entschlossen, am Frauenstreiktag doch aufzutreten. Gemeinsam mit den Frauen von CVP, GLP und BDP wollen sie den Tag als Aktionstag nutzen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

«Wir bürgerlichen Frauen wollen am 14. Juni mit unseren Forderungen zur Chancengleichheit der Frauen ebenfalls Gehör haben», sagt Claudine Esseiva, bald Präsidentin des Verbands der Business and Professional Women, der den gemeinsamen Auftritt koordiniert hat. «Es geht nicht nur um die Forderungen der linken Frauen bis hin zur Abschaffung des Kapitalismus.» Der Auftritt der bürgerlichen Frauen hat allerdings auch mit den Wahlen zu tun. «Wir machen den 14. Juni auch zu unserem Aktionstag, damit die linken Frauen das Thema im Hinblick auf die Wahlen nicht für sich monopolisieren können», sagt Esseiva. «Chancengleichheit geht alle etwas an, egal ob links oder rechts, Frau oder Mann.»

Elisabeth Kopp selbst sagt, ihr gehe es gut. Zufrieden über Kopps Besuch äusserte sich FDP-Präsidentin Petra Gössi. «Toller Besuch heute im Bundeshaus von alt Bundesrätin Elisabeth Kopp», schrieb sie auf Twitter. «Der ersten Frau im Bundesrat.»

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