Konsequenter fürs Tierwohl

Tierschutzdelikte werden heute konsequenter untersucht als vor einigen Jahren. Allerdings bestünden noch immer grosse kantonale Unterschiede, sagt die Stiftung Tier im Recht.

Richard Clavadetscher
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ZÜRICH. Die gute Nachricht: Das Tierschutzbewusstsein in der Schweiz scheint sich in den letzten Jahren akzentuiert zu haben. Denn noch nie sind in der Schweiz so viele Verstösse gegen den Tierschutz untersucht worden wie im vergangenen Jahr. Es sind deren 1709.

Strafverfolgung verbessert

Dies bedeutet nun nicht, dass Tiere in der Schweiz mehr zu leiden haben als früher, es ist wohl genau anders herum. Im Unterschied zu früher aber hat sich die Strafverfolgung verbessert. Dies ist auch die Ansicht von Tier im Recht (TIR), wie Nora Flückiger, dort rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin, gestern bei der Präsentation der TIR-Jahresanalyse ausführte. So haben sich die Fallzahlen in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht, in den letzten 15 Jahren gar verfünffacht. Nicht zufrieden ist die Tierschutz-Stiftung indes damit, dass es bei der Verfolgung von Tierquälereien nach wie vor grosse Unterschiede gebe – je nach Kanton. TIR verweist darauf, dass die Fallzahlen in jenen Kantonen hoch sind, die Strukturen zur Verfolgung von Tierquälereien geschaffen haben. Dazu gehört neben Zürich und Bern in der Ostschweiz etwa der Kanton St. Gallen, wo ein spezialisierter Staatsanwalt vollamtlich für die Verfolgung von Tierschutzverstössen zuständig ist.

TIR beklagt, dass es immer noch Kantone gebe, in denen Tierschutzdelikte kaum verfolgt und bestraft würden, bezeichnet es aber als «zumindest erfreulich, dass nun bereits im fünften Jahr» kein einziger Kanton mehr ohne Fallzahlen dastehe. Betroffen von Verstössen sind vor allem Haustiere – vorab Hunde.

Die Tierschützer weisen zudem darauf hin, dass die Behörden bei der Bestrafung von Verstössen gegen den Tierschutz den gesetzlichen Rahmen bei weitem nicht ausschöpften. So liege die durchschnittliche Bussenhöhe bei gerade einmal 300 Franken, die – oft bedingt ausgesprochene – Geldstrafe lediglich bei 20 Tagessätzen.

Dunkelziffer bei Pferden

Besonderes Augenmerk legt die TIR-Analyse in diesem Jahr auf den Umgang mit Pferden. Sie kommt zum Schluss, dass die Vollzugsbehörden diesen Tieren noch immer zu wenig Beachtung schenken, was Haltung und Umgang betrifft. Trotz beachtlichen 150 000 Reiterinnen und Reitern in der Schweiz komme es kaum je zu Verurteilungen in diesem Bereich. TIR vermutet eine hohe Dunkelziffer und kritisiert dabei «falsch verstandene Solidarität mit dem Halter». Indes sei es oft nicht böse Absicht der Halter, wenn sie Hilfsmittel falsch einsetzten, sondern deren mangelnde Ausbildung. Nora Flückiger nennt hier etwa den an sich erlaubten Einsatz von Sporen, die eben auch unsachgemäss eingesetzt werden könnten.

Um das Leben der Tiere qualitativ zu verbessern, fordert TIR unter anderem griffige kantonale Strukturen und Instrumente zur Durchsetzung der Tierschutzgesetzgebung sowie Schulung und Förderung der damit beauftragten Personen. Auch seien angemessene Strafen auszufällen.

TIR weist zudem darauf hin, dass auch die Bevölkerung Verantwortung trage, indem sie vermutete Verstösse gegen den Tierschutz zur Anzeige bringe.