Kommentar
Wo bleibt die Erneuerung? Amtszeiten beschränken zugunsten der jungen Generation!

Roger Nordmann darf trotz statutarisch festgelegter Amtszeitbeschränkung im Herbst 2023 erneut für den Nationalrat kandidieren. Der Entscheid der Waadtländer SP stösst die junge Generation vor den Kopf.

Chiara Stäheli
Chiara Stäheli
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Roger Nordmann (links) und Pierre-Yves Maillard am Parteitag der SP Waadt.

Roger Nordmann (links) und Pierre-Yves Maillard am Parteitag der SP Waadt.

Bild: Keystone

Die Waadtländer SP hebelte am Samstag kurzerhand ihre Statuten aus. Grund dafür ist Nationalrat Roger Nordmann. Denn eigentlich hätte die Wahl von Gewerkschaftschef Pierre-Yves Maillard für die Ständeratskandidatur aufgrund einer parteiinternen Amtszeitbeschränkung das Ende der Nationalratskarriere von Kontrahent Roger Nordmann bedeuten sollen. Doch weil die Kantonalpartei nicht auf ihr zweites politisches Schwergewicht verzichten will, übergeht sie ihr Regelwerk und ermöglicht Nordmann mit einer Ausnahmegenehmigung eine erneute Kandidatur für die grosse Kammer im Herbst 2023.

Dieses Vorgehen stösst die junge Generation vor den Kopf. Sie, die sich schon heute im Parlament nur ungenügend repräsentiert sieht, muss einmal mehr einem Sesselkleber – Nordmann sitzt notabene seit 2004 im Nationalrat – den Vorrang lassen. Dabei haben diverse Kantonalparteien die Amtszeitbeschränkung aus guten Gründen eingeführt. Sie sorgt für Erneuerung, durchbricht eingefahrene Muster und schafft Platz für Personen, die weder durch Vorgeschichten noch durch einst im Parlament getätigte und womöglich revidierungsbedürftige Aussagen vorbelastet sind.

Gerade jene Partei, die den solidarischen Gedanken im Namen trägt, täte gut daran, sich auch gegenüber der jungen Generation solidarisch zu zeigen und ihre demokratisch verabschiedeten Statuen nicht mit Ausnahmen zu unterlaufen.