Kommentar

Skepsis gegenüber den Impfungen beim Gesundheitspersonal – dabei: Sich impfen lassen, heisst auch solidarisch sein

Öffentliches Leben und sogar die Grundrechte sind gerade eingeschränkt. Jetzt kommt die Impfung und mit ihr grosse Fragezeichen, obwohl nun Solidarität angesagt wäre. Ein Kommentar.

Lucien Fluri
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Lucien Fluri.

Lucien Fluri.

Britta Gut

Den Wirten wurden die Restaurants zwangsgeschlossen. Versammeln dürfen wir uns auch nicht, wie wir wollen. Unsere Grundrechte sind massiv eingeschränkt. Das ist einzig und allein akzeptabel, weil es darum geht, die Gesundheit von besonders verletzlichen Personen zu schützen.

In Alters- und Pflegeheimen gelingt dies trotz aller Vorsichtsmassnahmen nur bedingt. Es kommt schweizweit regelmässig zu Ausbrüchen. Und so stirbt ein Grossteil aller Schweizer Covid-Toten in Pflegeheimen. Vor voreiligen Schuldzuweisungen sollte man sich allerdings hüten: Das Virus können Angestellte oder Besucher in eine Institution bringen, ohne es zu wissen. Die Bewohner leiden oft an schweren Vorerkrankungen. Es sind Orte, an denen der Tod zum Alltag gehört.

Ein Mitarbeiter des Pflegepersonals lässt sich in Wien gegen das Coronavirus impfen.

Ein Mitarbeiter des Pflegepersonals lässt sich in Wien gegen das Coronavirus impfen.

APA/Keystone

Fragezeichen löst eher der Blick auf die anstehenden Impfungen aus. Kantonale Zahlen zeigen, dass sich ein beachtlicher Teil des Gesundheitspersonals vorerst nicht impfen lassen will. In Baselland will ein Teil der Institutionen nicht einmal an flächendeckenden präventiven Tests fürs Personal teilnehmen. Dabei ist dieser Eingriff überhaupt nicht heikel. Die fehlende Bereitschaft bei einem Teil des Gesundheitspersonals, Impfungen oder Tests mitzutragen, erstaunt– und hat Folgen. Andere werden sich fragen: Weshalb sollen wir alle solidarisch Grundrechtseingriffe ertragen, wenn man ganz nahe an den besonders verletzlichen Personen nicht einmal so wichtige und solidarische Schutzmassnahmen mittragen will?