Kommentar
Abschlussbericht über Unglück der Ju-Air- Maschine ist schwer verdaulich: Schlimmstenfalls wurde aktiv weggeschaut

Mehrere Hundert Seiten umfasst der Abschlussbericht über das Unglück mit der Maschine HB-HOT von Ju-Air von 2018. Doch die Sache ist noch nicht vorbei. Ein Kommentar.

Nadja Rohner
Nadja Rohner
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Das im August 2018 abgestürzte Flugzeug der Ju-Air.

Das im August 2018 abgestürzte Flugzeug der Ju-Air.

Kapo GR

Man reibt sich die Augen bei der Lektüre des Schlussberichts der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zum Absturz des historischen Flugzeugs Ju 52 im August 2018. Und das nicht nur, weil der Bericht Hunderte von Seiten umfasst. Sondern auch, weil es schwer zu verdauen ist, dass so etwas in der Schweiz passieren konnte. Die aufgedeckten Mängel in Organisation, Betrieb und Aufsicht sind eklatant und erschreckend.

Lesen Sie hier: Eine Chronik des Versagens – warum die Junkers Ju abstürzte.

Die Frage muss nicht sein, was genau im Talkessel nahe des Piz Segnas passiert ist. Sondern, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass zwei extrem erfahrene Piloten, nicht zum ersten Mal und auch nicht als einzige der Ju-Air-Belegschaft, «hochriskante» Flugmanöver durchführten. Es ist ja nicht so, dass dies im Geheimen passiert wäre. Bestenfalls haben sowohl die Ju-Air wie auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt aus Überforderung oder Nachlässigkeit nicht hingeschaut. Schlimmstenfalls haben sie aktiv weggeschaut.

Deshalb muss nun umso genauer hingeschaut werden. Der Bund hat das Luft- und Raumfahrtinstitut der Niederlande bereits 2020 beauftragt, die Tätigkeit des Bazl zu überprüfen– als der Berichtsentwurf der Sust vorlag. Das hat er zuletzt nach einer Reihe schwerer Flugunglücke um die Jahrtausendwende getan. Und es lässt sich erahnen, dass der Absturz der «Tante Ju» ein juristisches Nachspiel haben wird. Denn es war eine Tragödie mit Ansage.

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