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KOMMENTAR: Fragwürdiger Strukturerhalt

Immer mehr Bahnkunden kaufen ihre Billette online oder übers Smartphone. Die Digitalisierung setzt auch die Post unter Druck, die Zahl der Briefe geht laufend zurück. Der Nationalrat versucht, den fahrenden Zug aufzuhalten. Gestern forderte er, dass die SBB die geplante Schliessung von 52 Drittverkaufsstellen bis 2020 aussetzen. Auch die Post geriet in dieser Session ins Visier des Parlaments, weil sie Filialen schliesst oder weit abgelegene Haushalte nicht mehr bedient.

Als Teil des Service public haben die SBB und die Post eine Sonderstellung. Die Bahnspitze ist sich dessen zu wenig bewusst, während die Post aus ihren Fehlern gelernt hat und zumindest offener informiert. Als Kompromiss wäre denkbar gewesen, dass die SBB-Drittverkaufsstellen etwas länger als geplant geöffnet bleiben. Stattdessen suchen die Bundesbahnen den Machtkampf.

Bloss: Der von der Politik geforderte Strukturerhalt ist ebenfalls kontraproduktiv. Es gilt die Relationen zu wahren. Im Vergleich zum benachbarten Ausland sind die Randregionen meist gut vom Service public erschlossen. Die SBB und die Post können es sich nicht leisten, den digitalen Anschluss zu verpassen. Der technologische Wandel lässt sich nicht per Dekret aus Bern aufhalten.

Tobias Gafafer
tobias.gafafer@tagblatt.ch


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