KOMMENTAR: Ein überfälliges Zeichen der Wertschätzung

Nach mehreren gescheiterten Anläufen hat sich eine Mehrheit des Stimmvolks und der Kantone für Einbürgerungserleichterungen für junge Ausländer ausgesprochen. Selbst in den konservativen Landkantonen Nidwalden und Appenzell-Ausserrhoden fand die Reform eine Mehrheit. Das schreibt Inlandredaktor Tobias Bär in seinem Kommentar.

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Die erleichterte Einbürgerung fand selbst in konservativen Teilen der Schweiz Unterstützung. (Bild: Keystone)

Die erleichterte Einbürgerung fand selbst in konservativen Teilen der Schweiz Unterstützung. (Bild: Keystone)

Endlich. Nach mehreren gescheiterten Anläufen hat sich eine Mehrheit des Stimmvolks und der Kantone für Einbürgerungserleichterungen für junge Ausländer ausgesprochen. Selbst in den konservativen Landkantonen Nidwalden und Appenzell-Ausserrhoden fand die Reform eine Mehrheit.

Ein solches Resultat war nur mit einer äusserst moderaten Vorlage möglich. Im Wissen um die erfolglosen Versuche in der Vergangenheit hat sich das Parlament auf eine Mini-Reform beschränkt. Weder werden Ausländer der dritten Generation in Zukunft automatisch eingebürgert, noch sieht das neue Gesetz Abstriche bei den Integrationsvoraussetzungen vor. Das Ja bringt den Betroffenen aber massive administrative und finanzielle Entlastungen. Und es ist ein Zeichen der Wertschätzung. Bei einem Nein zu dieser Reform hätten sich die hier geborenen und aufgewachsenen Ausländer fragen müssen, ob sie in der Schweiz, ihrer Heimat, wirklich willkommen sind.

Das Stimmvolk hat zudem ein klares Statement gegen billige Stimmungsmache abgegeben. Die Gegner kämpften mit einem Burka-Plakat gegen die Vorlage – die in erster Linie italienischen Staatsbürgern zugute kommt. Das Volk hat sich in diesem Fall aber nicht von diffusen Überfremdungsängsten leiten lassen. Vielmehr ist es zum Schluss gekommen, dass nichts gegen die erleichterte Einbürgerung des bestens integrierten portugiesischen Mitarbeiters spricht.

tobias.baer@tagblatt.ch