KOMMENTAR
Die Rufe nach einem Ausstiegsplan aus den Corona-Massnahmen sind verfrüht

Schweizer Wirtschaftsverbände und Politiker fordern ein Ende der Zertifikatspflicht. Der Zeitpunkt ist schlecht gewählt. Ein Kommentar.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Zertifikatskontrollen in der Schweiz werden vorderhand nicht abgeschafft.

Zertifikatskontrollen in der Schweiz werden vorderhand nicht abgeschafft.

Chris Iseli

Der Schweizerische Gewerbeverband fordert vom Bundesrat ein «verbindliches Ausstiegsszenario». Auch Politiker und einzelne Medientitel wollen von der Landesregierung wissen, wann sie alle Corona-Restriktionen aufhebt.

Dass man sich das Ende der vermaledeiten Pandemie herbeiwünscht, ist verständlich. Es wäre schön, könnte die Zertifikatspflicht gestrichen werden. Nur steigt die Zahl der Infektionen in einigen Kantonen wieder an. Die Niederlande, Grossbritannien und Deutschland registrieren eine neue, schnelle Ausbreitung des Virus. Lettland hat gerade einen vierwöchigen Lockdown verhängt. In Rumänien sind die Spitäler überfordert mit der hohen Zahl an Corona-Patienten.

Zustände wie im vergangenen Winter müssen verhindert werden

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sich gezeigt, dass das Coronavirus heimtückisch und unberechenbar ist. Es scheint zu verschwinden – und ist plötzlich präsenter denn je. Dass der Bundesrat noch keinen Ausstiegsplan benennen will, ist nachvollziehbar. Zwei Faktoren stimmen wenig optimistisch: Erstens bricht die kalte Jahreszeit an. Zweitens steigt zwar die Zahl der Geimpften in der Schweiz, aber das geschieht langsam.

Zustände wie vor einem Jahr, als viele Menschen starben, die Intensivstationen überlastet waren und medizinische Behandlungen verschoben werden mussten – sie gilt es zu verhindern. Vorsicht walten zu lassen, ist richtig. Zumal sich das Zertifikat an Veranstaltungen und in Restaurants bewährt. Es ist noch zu früh für den Ausstieg.

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