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Kommentar

Der Kampf gegen den Klimawandel scheint verloren

Weniger Fleisch essen, Ferien in der Schweiz verbringen und weniger in der Weltgeschichte herumfliegen: Alle wüssten wir, was für das Klima gut wäre. Doch: Die Mehrheit, die meisten von uns wohl inklusive, nimmt den Klimaschutz nicht ernst genug.
Stefan Schmid
Auf dem Golfplatz Lipperswil im Thurgau herrscht Dürre: Lediglich die Greens sind noch wirklich grün - der Rest ist braun. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Golfplatz Lipperswil im Thurgau herrscht Dürre: Lediglich die Greens sind noch wirklich grün - der Rest ist braun. (Bild: Reto Martin)

Eigentlich müsste an dieser Stelle ein flammendes Plädoyer für den Klimaschutz stehen: Esst weniger Fleisch, fahrt mit dem Velo zur Arbeit, macht Ferien in der Schweiz, fliegt weniger in der Weltgeschichte herum. Bedient euch endlich der Vernunft und tragt persönlich und in guter verantwortungsethischer Gesinnung zur Reduktion des CO2-Ausstosses bei.

Hitze- und Trockenperioden sind längst kein Einzelereignis mehr

Klar, das aktuelle Sommerwetter lässt als Einzelereignis keine Rückschlüsse auf das Klima zu. Bloss: Derlei Hitze- und Trockenperioden sind längst kein Einzelereignis mehr. Weder bei uns noch anderswo auf der Erde. Es tritt ein, wovor Klimaforscher seit Jahren, um nicht zu schreiben Jahrzehnten, warnen. Die Erde erwärmt sich – und zwar rasant. Und der Alpenraum erwärmt sich laut Klimaforschern tendenziell noch zügiger als der Rest des Planeten. Die Folgen werden immer sichtbarer: Temperaturen weit über dem üblichen Durchschnitt, wochenlang 35 Grad im Wallis, Badewannen-Feeling im Bodensee, sommerliche Schneefälle auf Säntishöhe – weiland gang und gäbe – bleiben aus. Tote Fische in Bächen und Flüssen, verdorrte Felder im ansonsten regenverwöhnten Osten der Schweiz, gestresste Bäume, rapide schmelzende Gletscher.

Diese sind, wie ETH-Gletscherforscher Matthias Huss kürzlich in dieser Zeitung erklärte, viel zu gross für das aktuelle Klima. Bis auf ein paar Eisflächen oberhalb von 4000 Metern werden die Schweizer Gletscher bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwunden sein. Schade, finden Alpenfirn-Nostalgiker und Tourismusmanager. Auch Hitzegeplagte und überzeugte Grüne leiden körperlich oder seelisch unter dem Klimawandel.

Doch, und das ist politisch ausschlaggebend: Die Zahl der Menschen ist deutlich zu klein, die ob des Klimawandels so bekümmert sind, dass sie zu einer Verhaltensänderung bereit wären.

Das zeigt sich an den politischen Kräfteverhältnissen in Europa und Amerika, wo jene in der Minderheit bleiben, die entschlossen gegen den CO2-Ausstoss vorgehen wollen. US-Präsident Donald Trump ist aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das den CO2-Ausstoss weltweit verbindlich reduzieren will, ausgestiegen. Doch auch Länder wie die Schweiz lassen die nötige Entschlossenheit vermissen. Noch düsterer wird das Bild, wenn wir den Blick in die Schwellen- und Entwicklungsländer schweifen lassen. Alleine der Aufstieg von Millionen Chinesen und Indern in die Mittelschicht torpediert die klimapolitischen Massnahmen, die andernorts zögerlich ergriffen werden. Die Weltbevölkerung wächst, der Wohlstand steigt, was in Kombination die Umweltbelastung erhöhen wird.

Die Mehrheit nimmt den Klimawandel nicht ernst genug

Stefan Schmid, Chefredaktor

Stefan Schmid, Chefredaktor

Die Politiker, die beeinflusst von mächtigen Lobbys nicht handeln wollen, sind aber nur ein Teil des Problems. Der andere Teil sind wir alle, die übers Wochenende für 59 Franken nach Edinburgh jetten, obwohl wir intellektuell in der Lage sind, derlei Verhalten als ökologisch schädlich einzuschätzen. Die Mehrheit, die meisten von uns wohl inklusive, nimmt den Klimaschutz nicht ernst genug. Das allgemeine Versagen ist menschlich erklärbar. Vor allem bei einem so schwer fassbaren Problem wie dem Klimawandel folgt das Individuum primär Anreizen. Sind diese falsch gesetzt, passiert nichts.

Warum sollten wir auf ein tolles Wochenende in Schottland verzichten, wenn der Flug dorthin doch spottbillig ist?

Man muss nicht defätistisch veranlagt sein, um in diesen Sommertagen zu konstatieren: Der Kampf gegen den Klimawandel scheint verloren. Mögen einige einwenden, der technologische Fortschritt und innovative Ideen von Klima-Startups und ETH-Tüftlern würden es schon richten. Andere setzen darauf, dass die Menschheit erwacht, sobald es dramatisch wird. Mag sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und die verbreitete Gleichgültigkeit soll auch kein Vorwand dafür sein, den Klimaschutz gänzlich zu begraben. Realistisch betrachtet aber deuten alle Indikatoren darauf hin, dass es im 21. Jahrhundert immer heisser wird. In diesem Sinne: Allen ein cooles Wochenende: Ob am Bodensee oder in Edinburgh.

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