KOMMENTAR: Billag und kein Ende

Die Billag darf künftig keine Radio- und Fernsehgebühren mehr einziehen. Zentrale Fragen jedoch bleiben: Braucht es die Gebühren überhaupt? Und wie viel SRG muss es sein? Ein Kommentar unseres publizistischen Leiters Pascal Hollenstein.

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Die Billag als Firma ist mangels Auftrag womöglich also bald Geschichte. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Die Billag als Firma ist mangels Auftrag womöglich also bald Geschichte. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Der Bund hat der Billag den Auftrag für das Inkasso der Radio- und Fernsehgebühren entzogen. Ein neuer Anbieter habe in einer Ausschreibung günstiger und besser offeriert, so die Begründung. Gut so. Ineffizienz und Bürokratie zulasten der Bevölkerung sind wo immer möglich zu bekämpfen. Dazu ist Wettbewerb da.

Die Billag als Firma ist mangels Auftrag womöglich also bald Geschichte. Das System der Zwangsabgaben , für das ihr Name aber steht, soll weiterleben. Der Ständerat hat sich diese Woche einstimmig gegen die – mittlerweile etwas unpassend – so genannte «No-Billag-Initiative» ausgesprochen. Nicht nur die Zwangsgebühren sollen indes bleiben. In der Debatte im Stöckli wurde die so alimentierte SRG faktisch unter Heimatschutz gestellt - auch und gerade von Medienministerin Doris Leuthard.

So zupackend die CVP-Bundesrätin jetzt bei der Billag also ist, so sehr verhätschelt sie die SRG. Eine Debatte darüber, ob alles, was der öffentlichrechtliche Rundfunk anbietet, auch wirklich nötig ist, hat Leuthard bisher fintenreich umschifft. Ihre Welt ist widersprüchlich: Bei der Billag darf der Wettbewerb spielen - die SRG aber muss gegen Mitbewerber mit Abermillionen an Zwangsabgaben immunisiert bleiben.

Das Volk hat diesen Kurs vor eineinhalb Jahren bei der Abstimmung über das Radio- und Fernsehgesetz nur noch hauchdünn gebilligt, die Zahl der Kritiker dürfte seither eher gewachsen sein. Es ist nun am Nationalrat, die Gretchenfrage  zu stellen: «Wie viel SRG muss es sein?» Es geht um viel, in dieser medienpolitischen Debatte. Und es geht um viele, nämlich um jeden von uns Zwangsgebührenzahlern.

Pascal Hollenstein
pascal.hollenstein@tagblatt.ch