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KOMMENTAR: Besuch in der Schweiz: Papst Franziskus wird Hoffnungen nicht erfüllen

Dieser Papst ist ein Menschenfischer. Er begeisterte auf seinen bisherigen zahlreichen Auslandreisen Millionen von Menschen. Sein Besuch in der Calvinstadt Genf im kommenden Juni weckt Hoffnungen bei den Reformern der katholischen Kirche in unserem Land. Franziskus wird sie nicht erfüllen.
Besucht im Juni die Schweiz: Papst Franziskus. (Bild: Gregorio Borgia (AP))

Besucht im Juni die Schweiz: Papst Franziskus. (Bild: Gregorio Borgia (AP))

  • Der Papst kommt in die Schweiz. Der Bundesrat sei erfreut, dass Papst Franziskus seine Einladung angenommen habe, teilte die Bundeskanzlei mit. Der Papst wird am 21. Juni 2018 in Genf erwartet.
  • Der letzte Papstbesuch in der Schweiz datiert von 2004. Damals reiste Papst Johannes Paul II nach Bern.


Bruno Scheible

Das Konklave wählte den argentinischen Kardinal Jorge Mario Begoglio am 13. März 2013 zum Papst. Sein erstes Wort als Franziskus an die Kirche und die Welt, jenes «Buona sera», das schlichte «Guten Abend» ist ein Schlüsselwort seines Pontifikats. Es zeigt, dass er Polarisierung vermeiden will.

Die Erwartung vieler Katholiken an zügige Reformen war und ist denn auch zu hoch. An der Lehre der katholischen Weltkirche, die in unseren Breitengraden heute in scharfem Kontrast zur Praxis der Gläubigen steht, ändert sich nichts. Franziskus berief zwar eine Familiensynode mit Bischöfen aus aller Welt ein, selber aber gab er keine klaren Antworten auf drängende Fragen wie die Zulassung wiederverheirateter Paare zu den Sakramenten. Dies ist in den Ortskirchen der Schweiz als Problem ein kirchlicher Dauerbrenner. Eine neue Antwort jedoch wird es von Franziskus bei seinem Besuch nicht geben.

Eine grosse Enttäuschung stellte damals sein Schreiben für homosexuelle Menschen dar. Der Papst bekräftigte darin die klare Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen.

Zwischen Lehre und Leben

Was sich geändert hat, ist der Ton, der mitfühlender und toleranter als jener der Vorgänger ist. Regeln hätten nichts Absolutes, schreibt Franziskus und öffnet für fortschrittliche Bischöfe eine Tür, wenn auch nur einen Spalt breit.

Franziskus verachtet die kalte «Schreibtischmoral». Er steht für Zuwendung statt für Anweisung. Ob in Fragen von Dogma, Moral oder Disziplin: Dieser Papst riskiert den Spagat zwischen Lehre und Leben, zwischen Gewissheit und Gewissen. Das lässt ihn nach beiden Seiten zwiespältig erscheinen. Den Reformern ist er nicht mutig und konsequent genug, den Bewahrern setzt er sich dem Verdacht aus, falsche Hoffnungen zu wecken und die Lehre dem Zeitgeist zu opfern.


Weltkirche mit 1,2 Milliarden Menschen

Das Einerseits-Andererseits ist das Muster seines bisherigen fünfjährigen Pontifikats. Zwar radikal barmherzig, aber prinzipientreu: So führt Franziskus eine Weltkirche von 1,2 Milliarden Menschen, in der die einen alles reformieren, die andern alles bewahren wollen.

Franziskus zeigt im Kleinen, was er als Papst im Grossen will. Seine erste Reise führte ihn auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa. Dort beklagte er die «Globalisierung der Gleichgültigkeit». In seiner Schrift «Evangelii Gaudium» steht der provokante und in westlichen Ländern viel kritisierte Satz. «Diese Wirtschaft tötet.» - wenn sie das Gewinnstreben über die Menschlichkeit stellt. In seiner Umwelt-Enzyklika «Laudatio si» nennt er den Klimawandel eine Tatsache und fordert die Menschen in den reichen Ländern auf, ihren Lebensstil zu ändern.


«Jesus klopft an die Kirche»

Papst Franziskus ist kein grimmiger Moralapostel, aber ein Moralprediger mit einer globalen Wirkung. Der frühere amerikanische Präsident Barack Obama sagte über ihn: «Der Papst befehligt keine Armeen. Er verhängt keine Sanktionen. Er spricht mit moralischer Autorität.» Und woher nimmt er diese? Möglicherweise daher, dass er sich selber nicht für heilig hält. Und dass er mit der Welt nicht härter ins Gericht ging als mit seiner Kirche. Wie sagte er einmal: «Ich glaube, Jesus ist im Innern der Kirche und klopft, weil er herauswill».

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