KOLUMNE: Bundesrat kreiert Bunkerwährung

Der Bundesrat will, dass die Schweizer Banknoten ewig gültig sind. Das werde den Schweizer Franken zusätzlich in die Höhe treiben - und profitieren würden vor allen Steuerhinterzieher, schreibt Publizist Lukas Niederberger in seiner Kolumne "Unkommod".

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«Wenn Banknoten nach 20 Jahren nicht mehr verfallen, profitieren vor allem Steuerhinterzieher.» Lukas Niederberger Publizist (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

«Wenn Banknoten nach 20 Jahren nicht mehr verfallen, profitieren vor allem Steuerhinterzieher.» Lukas Niederberger Publizist (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper<br /> &nbsp;

Die Schweizer Banknoten sollen künftig ewig gültig sein. «So what?», könnte man sagen. Aber ganz so harmlos ist das nicht. Das Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel (WZG) bestimmt im Artikel 9, dass die Schweizerische Nationalbank alte Banknoten während 20 Jahren gegen neue Noten umtauscht. Der Nennwert der nicht eingelösten abgelaufenen Banknoten geht bisher an den Elementarschadenfonds, der nicht versicherbare Schäden wie jene vom Lothar-Sturm, von Bondo oder bei Frost im Weinberg finanziert.

«Wenn Banknoten nach 20 Jahren nicht mehr verfallen, profitieren vor allem Steuerhinterzieher.» Lukas Niederberger Publizist (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

«Wenn Banknoten nach 20 Jahren nicht mehr verfallen, profitieren vor allem Steuerhinterzieher.» Lukas Niederberger Publizist (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))


Noch bis am 16. November läuft die Vernehmlassung des Bundesrats, der wünscht, dass Banknoten künftig ewig gültig sind. Die vom Bundesrat gewünschte Gesetzesänderung scheint dank des Dornröschenschlafs der anderen Staatsgewalten locker über die Bühne zu gehen, obwohl es um Milliarden geht, die der Schweiz künftig verloren gehen würden. Unter den GUSTAVO-Kantonen G(E), U(R), S(Z), T(I), A(I), V(S) und O(W), in welchen die Gebäudeversicherung gegen Elementarschäden nicht obligatorisch ist, sind mehrere Bergkantone, die zu den grössten Nutzniessern des Elementarschadenfonds zählen. Sie wird es hart treffen. Aber selbst deren Regierungen und Ständeräte haben sich bisher nicht gegen die bundesrätliche Vernehmlassung gewehrt. Auch die SP und Transparency International schweigen, obwohl klar ist, wer von der Gesetzesänderung profitieren wird: nämlich Personen und Organisationen, die innert 20 Jahren nicht so leicht in die Schalterhalle der Nationalbank spazieren und dort ihre alten Scheine gegen neue umtauschen können.

Die Schweizer Banknote, von der seit vielen Jahren am meisten Scheine im Umlauf sind, ist nicht etwa die Zehnernote, sondern der Tausender. Wie oft halten Sie eine solche Note in der Hand? Vermutlich selten bis gar nie, falls Sie nicht auf dem Viehmarkt oder an der Käsebörse hin und wieder bar bezahlen. Das Bunkern grosser Geldscheine ist eine weltweit gepflegte Praxis zur Steuerhinterziehung. Just in einer Zeit, wo die EU den 500-Euro-Schein abschaffen will, die USA keine 100-Dollar-Noten mehr drucken will und mehrere Nationen generell über die Abschaffung von Bargeld nachdenken, will nun der Schweizer Bundesrat unsere Banknoten zu einer ewigen Bunkerwährung erheben. Dass dies den Schweizer Franken zusätzlich in die Höhe treiben wird, ist absehbar. Und die Kritik aus Washington, Berlin und Paris wird wegen der verewigten Steuerhinterziehungswährung nicht lange auf sich warten lassen.

Aber vielleicht erwachen in den nächsten Tagen doch noch ein paar Leute. Wer weiss, vielleicht verfasst sogar die Ethikkommission der Fifa eine Stellungnahme gegen die geplante Gesetzesänderung, was dem Verein einen gewaltigen Glaubwürdigkeitsbonus verleihen würde.

Lukas Niederberger

Schweizer Geld soll in Zukunft ewig Kaufkraft haben. Das will der Bundesrat. (KEYSTONE/TI-PRESS/Gabriele Putzu/Symbolbild) (Bild: GABRIELE PUTZU (KEYSTONE))

Schweizer Geld soll in Zukunft ewig Kaufkraft haben. Das will der Bundesrat. (KEYSTONE/TI-PRESS/Gabriele Putzu/Symbolbild) (Bild: GABRIELE PUTZU (KEYSTONE))