KLIMAFORSCHER: «Er will einfach billige fossile Energie»

Der ETH-Klimatologe Reto Knutti weilt zurzeit in den USA und spürt den Widerstand gegen Donald Trumps Absicht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Besser wäre es, diesen davon zu überzeugen, dass sich die Energiewende wirtschaftlich lohne.

Bruno Knellwolf
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Dunkle Wolken über der Klimapolitik. Doch Trump ist nicht ganz Amerika, viele US-Bundesstaaten, Städte und Firmen haben eigene ambitiöse Klimaziele. (Bild: Marcela Fernandes/Getty)

Dunkle Wolken über der Klimapolitik. Doch Trump ist nicht ganz Amerika, viele US-Bundesstaaten, Städte und Firmen haben eigene ambitiöse Klimaziele. (Bild: Marcela Fernandes/Getty)

Bruno Knellwolf

Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich und Autor im Weltklimarat IPCC, weilt für ein Jahr in den USA und hat schon kurz vor der Wahl Donald Trumps daran erinnert, was dieser einst getwittert hat. «Klimawandel – ein Scherz, den die Chinesen erfunden haben.» Knutti ist das Lachen längst vergangen.

Reto Knutti, die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass die USA aus dem Klimaabkommen von Paris aussteigen wollen, wird Sie nicht völlig überrascht haben?

Nein, Donald Trump und einige seiner wichtigen Mitarbeiter glauben nicht, dass der Mensch den Klimawandel verursacht. Vor allem wollen sie aber billige fossile Energie für ihr Land und keine Vorschriften. Trotz nationalem und internationalem Widerstand hat Trump nun sein Wahlkampfversprechen eingehalten. Neben der Abkehr vom Klimaschutz dient dieser Schritt wohl auch dazu, die nationalen Interessen der USA ins Zentrum zu stellen, Macht zu demonstrieren, und seine Anhänger bei Laune zu halten.

Was bedeutet das für die globale Klimapolitik?

Seit über 25 Jahren gibt es Bestrebungen für ein globales Abkommen zum Klimaschutz, und jenes von Paris 2015 war der Meilenstein. Es ist somit ein höchst problematisches und kurzsichtiges Signal für die internationale Zusammenarbeit, wenn ein reiches Land und einer der grössten Klimasünder sich daraus verabschiedet. Interessanterweise sieht das Pariser Abkommen aber gar keinen Ausstieg eines Staates vor. Somit dürfte das mehrere Jahre dauern. Das Abkommen bleibt in Kraft und ist bindend.

Man könnte sich aber vorstellen, dass es Staaten gibt, die sagen: Wenn die nichts tun fürs Klima, dann wir auch nicht.

Das ist möglich. Und falls die ganze Welt für die nächsten acht Jahre weiter einen Pfad mit steigendem CO2-Ausstoss verfolgen würde, wäre das 2-Grad-Klimaziel wohl unmöglich zu erreichen. Die Reduktionen müssten dann pro Jahr etwa doppelt so hoch sein, wie wenn wir damit heute anfangen. Wirtschaftlich wäre das kaum tragbar. Aber im Moment deutet wenig auf einen Domino-Effekt hin.

Warum nicht?

Die europäischen Länder, aber auch China und Russland, die G7/G20 und die Nato haben sich klar zu Paris bekannt. Einige Wissenschafter argumentieren, dass es nun sogar einfacher sei, vorwärts zu gehen, als wenn die USA als Bremsklotz die Verhandlungen behinderten. Es ist also wahrscheinlich, dass andere die Führung übernehmen werden, und sich der Schritt für die USA negativ auswirkt; zusammen mit den angekündigten Budgetkürzungen im Bereich der Energie-, Umwelt und Klimaforschung werden sie ihre politische und technologische Führungsrolle verlieren und sich diplomatisch isolieren.

Immerhin freut sich die Kohle-­Lobby in den USA.

Für die Kohleindustrie bedeutet der Entscheid weniger Vorschriften. Aber der Plan von Trump, im Kohleabbau Arbeitsplätze zu schaffen, wird nicht aufgehen. Die Kohleproduktion sinkt schon lange, aber nicht wegen der Vorschriften, sondern aus wirtschaftlichen Gründen: Gas und erneuerbare Energien sind günstig. Und Arbeitsplätze gehen durch Automatisierung verloren. Die meisten Arbeitsplätze entstehen im Bereich der erneuerbaren Energien, und das wird so bleiben.

Welche konkreten Klimaschutzmassnahmen werden betroffen sein von Trumps Entscheid?

Trump wird sicher versuchen, die CO2-Reduktionsziele abzuschwächen, und damit wohl auch Emissionsstandards von Autos. Vieles ist noch unklar. Insbesondere haben viele US-Bundesstaaten, Städte und Firmen selber Klimaziele formuliert und wollen daran festhalten. Wenn eine Energiewende oder neue Technologien sich wirtschaftlich lohnen, dann setzten sich diese durch, egal was die Trump Administration sagt. Neben den CO2-Reduktionen haben die USA wegen des Pariser Abkommens auch eine Verpflichtung, an Entwicklungsländer zu zahlen, um ihnen beim Klimaschutz zu helfen. Da geht es um viel Geld, und das wird noch zu reden geben.

Sie haben von Widerstand gesprochen.

Ja, den gibt es, insbesondere von US-Firmen bis hin zu grossen Ölkonzernen wie Exxon. Aber die Frage ist, was dieser bewirken kann. Von der Wissenschaft hält Trump bekanntlich gar nichts. Er schafft seine eigenen alternativen Fakten. Die Politik ist völlig gespalten, es gibt nur links und rechts, und keinen Versuch sich irgendwo zu treffen. Der Druck der Wirtschaft ist schon relativ hoch. Aber statt Widerstand zu leisten, wäre es wohl einfacher, die Trump-Administration mit dem Argument zu überzeugen, dass sich Klimapolitik lohnen könnte.

Gibt es erst wieder Hoffnung mit dem nächsten US-Präsidenten?

Für die Position der US-Regierung wahrscheinlich schon. Aber die Reaktionen der Wirtschaft und der anderen Länder lassen hoffen, dass die meisten erkannt haben, wo die Chancen in der Zukunft liegen. Wer Forschung und Innovation betreibt, die Transformation zu neuen Technologien vorantreibt, nachhaltig und global denkt, wird sowohl wirtschaftlich wie gesellschaftlich gewinnen. Dazu können wir alle beitragen und müssen nicht auf einen neuen Präsidenten warten.