Klein-Olma im Bundeshaus

Eine parlamentarische Gruppe will den Ostschweizer Kantonen zu mehr Schlagkraft verhelfen. Ihr erster Anlass ist geglückt. Noch fehlt aber ein Thema, bei dem alle am gleichen Strick ziehen.

Marina Winder
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Nationalrat Andrea Caroni, Regierungsrat Jakob Stark und Olma-Direktor Nicolo Paganini (v. l.) am Ostschweizer Abend in Bern. (Bilder: pd)

Nationalrat Andrea Caroni, Regierungsrat Jakob Stark und Olma-Direktor Nicolo Paganini (v. l.) am Ostschweizer Abend in Bern. (Bilder: pd)

BERN. Die parlamentarische Gruppe Ostschweiz ist eine von vielen Interessengruppierungen unter der Bundeshauskuppel. Seit ihrer Gründung vor zwei Jahren liess sie kaum etwas von sich hören. Manch einer glaubte deshalb schon an einen Papiertiger. Am Montag trat die Gruppe aber aus dem Schatten hervor: In der Galerie des Alpes im Bundeshaus lud sie zum Ostschweizer Abend ein.

Die Idee stiess auf Anklang: Über 100 Parlamentarier folgten der Einladung. An sieben Ständen konnten sie Köstlichkeiten aus sieben Kantonen degustieren. Die Unternehmer selber standen an den Ständen und rückten die Ostschweiz mit ihren Spezialitäten in das beste Licht. Die ausgelassene Stimmung erinnerte bald an eine Olma in Kleinstformat.

Gross, heterogen, unsolidarisch

Mit den sieben Kantonen vom Engadin bis zum Bodensee und zum Rheinfall fasst die parlamentarische Gruppe ein grosses und heterogenes Gebiet unter dem Begriff der Ostschweiz zusammen. Ausserdem sind nicht weniger als sieben Parteien in der Gruppe vertreten. Es liegt fast auf der Hand, dass es mehr Themen mit unterschiedlichen Ansichten als Gemeinsamkeiten gibt. Weit auseinander liegen die Positionen in Verkehrsdossiers, in Sachen Fluglärm, und auch bei Bundesratswahlen konnten Ostschweizer Kandidaten bis jetzt nicht auf viel Solidarität hoffen.

Wie eine Botschaft in Bern

«Man darf die Bedeutung der parlamentarischen Gruppe nicht überschätzen», sagt Nationalrat Andrea Caroni (FDP/AR), der sie zusammen mit Lukas Reimann (SVP/SG) ins Leben gerufen hat. Man könne die Gruppe vielleicht mit einer Ostschweizer Botschaft in Bern vergleichen. Sie gebe Rückendeckung, baue eine Brücke ins Bundeshaus und schaffe Sympathien. Damit die Gruppe ihre Schlagkraft beweisen könne, müsse ein geeignetes Thema auf die Agenda kommen. «Es liegt nicht an uns, solche Themen zu setzen», sagt Caroni. «Wir arbeiten darauf hin, dass die Solidarität spielt, wenn es so weit ist.»

Der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark sprach am Montagabend als Präsident der Ostschweizerischen Regierungskonferenz, welche die parlamentarische Gruppe unterstützt, zu den Gästen in der Galerie des Alpes. Er wies auf zwei Themen hin, bei denen es für die Ostschweiz wichtig ist, geeint aufzutreten: Zum einen sei dies der Finanzausgleich, zum anderen die Expo 2027.

Unternehmerische Anliegen

Gabriela Manser, CEO der Goba AG, schenkte in Bern Getränke aus ihrem Unternehmen aus. Wenn sie Fachkräfte suche, spüre sie, dass das Appenzell zumindest in der Wahrnehmung der Menschen weit abgelegen sei. «Hier kann die parlamentarische Gruppe etwas bewirken und die Ostschweiz den Leuten näherbringen», sagte Manser.

Johannes M. Trümpy ist Inhaber der Geska AG, die den Glarner Schabziger herstellt. Auch er bot am Montag seine Produkte zur Degustation an. Ihm erscheine es wichtig, dass die Ostschweiz wie andere Regionen auch im Bundeshaus eine Lobby habe. Wenn es darum gehe zusammenzuhalten, könne sich die Ostschweiz von den Tessinern und Westschweizern eine Scheibe abschneiden, sagte Trümpy.

Appenzeller Musik und St. Galler Spezialitäten: Die Ostschweiz zeigt sich im Bundeshaus von ihrer besten Seite.

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