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KINDESWOHL: Mehr Kesb-Fälle wegen zerstrittener Eltern

Die Kesb haben 2016 mehr Massnahmen im Kindesschutz verhängt – auch, weil mehr Eltern ums Sorgerecht streiten. In jedem zehnten Fall wurden Kinder fremdplatziert.
Maja Briner
Die Akten stapeln sich: viel Arbeit für die Kesb. (Bild: Keystone)

Die Akten stapeln sich: viel Arbeit für die Kesb. (Bild: Keystone)

Maja Briner

Sie gerieten wiederholt unter Beschuss, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb). Kritiker zeichneten das Bild einer übereifrigen Willkürbehörde. Umso mehr steht unter Beobachtung, wie häufig die Kesb einschreiten. Nach der Einführung der Kesb 2013 gingen die Fallzahlen zunächst zurück. Doch zuletzt kam es zu einem Anstieg, wie eine neue Statistik zeigt: Ende 2016 waren bei knapp 42770 Kindern Schutzmassnahmen angeordnet. Das sind 4,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) gestern mitteilte.

Der Anstieg ist für Kokes-Präsident Guido Marbet aber kein Alarmzeichen, im Gegenteil: «Für uns ist es beruhigend zu sehen, dass die öffentliche Kritik offenbar nicht dazu führt, dass die Kesb zu zurückhaltend agieren», sagt er. Laut Marbet zeigt die Statistik auch, dass «nur im äussersten Fall» massive Massnahmen wie Fremdplatzierungen angeordnet würden. Gestiegen sei vor allem die Zahl der milderen Massnahmen, insbesondere der Beistandschaften. «Die Fremdplatzierungen haben hingegen nur leicht zugenommen», betont Marbet. Ende 2016 waren 3523 Kinder auf Anordnung der Kesb in einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht, gut ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Gemeinsames Sorgerecht führt zu Streit

Was sind die Ursachen für den Anstieg der Kesb-Fälle 2016? Marbet nennt mehrere mögliche Gründe: Erstens hätten die Kinderspitäler mehr Fälle von misshandelten Kindern regis­triert. Zweitens hat laut Marbet auch die Migration einen Einfluss: Letztes Jahr stieg die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden stark an. Diese erhalten je nach Alter und Situation von der Kesb einen Beistand. Und: Es gebe mehr Fälle, in denen Eltern «hochzerstritten» seien, sagt Marbet.

Diese Entwicklung bestätigt Flavia Frei von der Stiftung Kinderschutz Schweiz: «Wir beobachten, dass es mehr Streitigkeiten um das Sorge- und Besuchsrecht gibt», sagt sie. Die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts vor drei Jahren löse nicht alle Konflikte, «es könnte sogar Platz für neue bieten».

Ähnlich sieht es Kindesschutz-Experte Christoph Häfeli. «Das gemeinsame Sorgerecht ist absolut richtig, hat aber neue Konfliktfelder geöffnet», sagt er. Leben beispielsweise die Kinder hauptsächlich bei der Mutter, darf diese in Alltagsfragen entscheiden – wichtige Beschlüsse aber müssen die Eltern gemeinsam fällen. «Da stellt sich immer wieder die Frage: Was darf ein Elternteil selbst entscheiden, was nicht?» Auch der Umzug des Elternteils, bei dem ein Kind lebt, führt häufig zu Konflikten.

Häfeli berät mehrere Kesb und Beistände und erhält dadurch Einblick in viele Fälle. Er sagt: «Die Kesb versuchen alles, um Fremdplatzierungen zu vermeiden. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sie fast übervorsichtig sind – auch wegen des Trommelfeuers gegen die Behörden.» Das berge die Gefahr, dass Kinder nicht fremdplatziert werden, obwohl es nötig wäre, mahnt Häfeli.

«Im Grossen und Ganzen gut unterwegs»

Flavia Frei von der Stiftung Kindesschutz zieht ein mehrheitlich positives Fazit zu den Kesb. «Die Professionalisierung der Behörde hat an den meisten Orten zu mehr Transparenz und einer höheren Qualität der Arbeit beigetragen», sagt sie. «Die Kesb sind im Grossen und Ganzen gut unterwegs.» Das bedeute nicht, dass alles optimal laufe. «Überall, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler», sagt Frei. Gewisse Verbesserungen stellt sie bei der Kommunikation fest. «Die Kesb haben begriffen, dass sie besser kommunizieren müssen.»

Nicht alles sei gut, hielt auch Kokes-Präsident Marbet gestern fest. Das Vertrauen zwischen Behörden und Betroffenen sowie der Öffentlichkeit bleibe angeknackst, noch immer gebe es Misstrauen. Abhilfe schaffen soll unter anderm die unabhängige Anlaufstelle Kescha. An sie können sich seit Anfang Jahr Betroffene wenden, die mit einer Kesb-Massnahme nicht einverstanden sind.

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