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Kindergarteneintritt: Die CVP
will Eltern mehr Freiheit geben

Die Eltern sollen alleine darüber entscheiden können, ob sie ihr Kind ein Jahr später in den Kindergarten schicken, fordert die CVP. Die Kinder sollen so vor einem «Abklärungsdschungel» bewahrt werden. Eine Zweitmeinung sei wichtig, kritisieren Fachleute den Vorschlag.
Barbara Inglin
Im Kindergarten ist das Kind - vielleicht zum ersten Mal im Leben - Teil einer grösseren Gruppe. Und muss sich entsprechend anpassen. (Bild: Key/Gaetan Bally (Basel, 6. März 2007))

Im Kindergarten ist das Kind - vielleicht zum ersten Mal im Leben - Teil einer grösseren Gruppe. Und muss sich entsprechend anpassen. (Bild: Key/Gaetan Bally (Basel, 6. März 2007))

Brennen vier Kerzen auf der Geburtstagstorte, ruft auch schon die erste Pflicht. Denn in den meisten Kantonen treten die Kinder mit vier Jahren in den Kindergarten ein. Was die einen mit viel Vorfreude kaum erwarten können, löst bei anderen Ängste aus. Und manche Eltern fragen sich: Ist mein Kind bereit für diesen Schritt, kann es sich in der Gruppe behaupten, ist es noch zu verspielt, oder schlicht zu klein?

Auf Gesuch kann der Kindergarteneintritt um ein Jahr verschoben werden, in den meisten Kantonen nach einer ärztlichen oder schulpsychologischen Abklärung. Das will die CVP nun ändern. Künftig sollen die Eltern den Entscheid alleine fällen dürfen, wie dies heute bereits in den Kantonen Bern und Aargau möglich ist. «Die Eltern haben die Verantwortung für ihr Kind und kennen es am besten», sagt die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür. «Darum sollen sie auch das Recht haben, zu entscheiden.» Die nationale CVP erarbeitet derzeit einen Mustervorstoss, mit dem das Anliegen in den Kantonen eingebracht werden soll.

Hinter der Idee der CVP steht die Zürcher Entwicklungspsychologin und Heilpädagogin Sandra Beriger. Sie wehrt sich gegen «Abklärungen und Pathologisierungen junger Kinder.» Tests in diesem Alter seien fragwürdig, viele Kinder verweigerten schlicht die Teilnahme.

Viele Eltern froh um zusätzliche Meinung

Nichts vom CVP-Vorschlag hält der Kinderarzt Oskar Jenni, Leiter der Abteilung Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich. «Es ist sehr wichtig, dass die Eltern mitreden können, sie haben in den meisten Fällen ein gutes Gespür für ihr Kind», sagt er. Doch bei diesem wichtigen Entscheid müsse unbedingt eine Fachperson beigezogen werden. «Das heisst nicht, dass eine riesige Abklärungsmaschinerie in Gang gesetzt wird. Eine erfahrene Fachperson kann sich relativ schnell ein Bild von einem Kind machen», sagt Jenni. Ein Kinderarzt zum Beispiel, der ein Kind bereits seit Geburt kenne, könne seine Entwicklung zuverlässig einschätzen.

Seine Erfahrung aus der Praxis zeige, dass viele Eltern froh seien um die Meinung einer Fachperson. Und in den meisten Fällen seien sich Fachleute und Eltern nach der Abklärung auch einig.

Auch Philipp Ramming, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie, betont die Wichtigkeit einer seriösen Abklärung. «Es ist entscheidend zu wissen, ob ein Kind einfach noch ein bisschen verträumt ist, oder ob es einen Entwicklungsrückstand hat und Unterstützung braucht.»

Wichtig sei aber auch zu wissen, dass von den Kindern nicht ein ganz spezifisches Entwicklungsprofil erwartet werde. «Der Kindergarten ist auf die grosse Vielfalt der Kinder eingestellt. Erforderlich sind nur ganz grundlegende Voraussetzungen», sagt Ramming. Dazu zählt er, dass die Kinder Anweisungen befolgen können, etwa dass sie bei einem Ausflug anhalten, wenn die Kindergärtnerin «Stopp» sagt.

Zumindest als «prüfenswert» bezeichnet die Idee der CVP Beat Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbandes. «Schliesslich kennen Eltern ihr Kind am besten.»

«Schule muss sich den Kindern anpassen»

Hintergrund der Einschulungsdebatte ist die Harmonisierung im Schweizer Bildungswesen. Für jene 15 Kantone, die dem Harmos-Konkordat beigetreten sind, ist der zweijährige Kindergarten obligatorisch. Als Stichtag gilt der 31. Juli. Die Nicht-Harmos-Kantone haben etwas mehr Spielraum.

Vielerorts führt die Harmonisierung dazu, dass Kinder früher in den Kindergarten eintreten, die jüngsten Kinder sind vier Jahre und ein Monat alt. Der Entwicklungspsychologin Sandra Beriger bereitet diese Entwicklung Sorge. Als Heilpädagogin sehe sie immer wieder Kinder in der Unterstufe, die Unterstützungsunterricht erhalten, teils gar individuelle Lernziele.

«Dabei haben sie weder eine Lese- noch eine Rechenschwäche. Sie sind schlicht und einfach noch zu jung. Ein Jahr später könnten sie die Schule problemlos meistern.» Mit der früheren Einschulung habe sich das Problem noch verschärft. «Misserfolge und Überforderung in den ersten Schuljahren sind sehr belastend für kleine Kinder. Das kann sich negativ auf die ganze Schulkarriere auswirken», sagt Sandra Beriger. Für sie ist deshalb klar: Der frühe Stichtag bewährt sich nicht für alle Kinder und deshalb sollen die Eltern das Recht erhalten zu entscheiden, ob sie ihr Kind mit vier oder fünf Jahren in den Kindergarten einschulen wollen.

«Ist die Schule reif für die Kinder?»

Kinderarzt Oskar Jenni spricht sich für eine Flexibilisierung des Schuleintritts aus. Ein rigider Stichtag könne der grossen Entwicklungsvielfalt der Kinder nicht gerecht werden. Welches Datum für den Stichtag aber gewählt werde, spiele gar nicht eine so grosse Rolle. «Viel entscheidender ist es, dass Kindergarten und Schule sich dem Alter der Kinder anpassen», sagt Jenni. «Die Frage ist nicht, ob die Kinder schulreif sind, sondern ob die Schule reif für die Kinder ist.»

Tatsächlich hätten sich die Lehrpersonen nach der Vorverschiebung des Stichtages erst an die jüngeren Kinder gewöhnen müssen, sagt Psychologe Philipp Ramming. «Die Kinder seien unreife "Gispel", beschwerten sie sich zu Beginn der Umstellung», erinnert er sich. Doch mittlerweile habe sich die Schule weitgehend angepasst.

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