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Keller-Sutter muss für ihre Bundesrats-Konkurrenten übersetzen

An der Roadshow der FDP-Bundesratskandidaten in Yverdon steht der grosse Sprachtest an. Die «östlichste Westschweizerin» brilliert.
Yann Schlegel
Hans Wicki könnte sich bei Karin Keller-Sutter ein paar Tipps in Sachen Französisch holen. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Hans Wicki könnte sich bei Karin Keller-Sutter ein paar Tipps in Sachen Französisch holen. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

In Yverdon hatten die drei FDP-Bundesratskandidaten wenig zu befürchten. Unter dem Gebälk des Château d’Yverdon am Rande der Altstadt war die Elite der Freisinnigen wohl behütet. Sie befand sich nämlich in der grössten Schweizer Stadt, die durch eine Freisinnige Mehrheit regiert wird. Der dritte Akt der FDP-Roadshow stand an, bei welchem die Partei ihre drei Kandidaten der Bevölkerung präsentierte. Nach den Auftritten in Muttenz und Winterthur wartete auf das Trio der grosse Sprachtest.

Karin Keller-Sutter strahlte, Christian Amsler lachte, bei Hans Wicki jedoch schien das Lächeln gezwungener. Und die Sprachkenntnisse der drei Anwärter auf die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann entsprachen in etwa ihrer Mimik, wie sich in der folgenden Fragestunde herausstellte. Wicki, der Nidwaldner im Bunde, wird froh sein, wenn er heute vor der Fraktion wieder in seiner Muttersprache sprechen kann.

«Un très, très bon pourcent»

Karin Keller-Sutter hingegen blühte richtiggehend auf. «Je suis la Romande la plus Orientale», sagte die St. Gallerin in perfektem Französisch. Sie reise oft und gerne in die Waadt. Die «östlichste Westschweizerin» holte mit ihrem dritten Satz alle Sympathiepunkte. Wicki hatte das schwere Los, sich nach der Ständeratskollegin vorzustellen. Er tat dies zwar in relativ fliessendem Französisch – sein Blick klebte dabei aber stets an den Notizen. Er habe «une vision de mon Suisse» und diese sei durch sein Heimatgefühl geprägt. Schliesslich sei er in der Wiege der Schweiz aufgewachsen. Wickis Glück: Westschweizer sind Deutschschweizern bereits wohlgesinnt, wenn sie sich auf Französisch bemühen.

Wicki hinter dem Stehtisch

Der grossgewachsene Amsler, dem nur Aussenseiterchancen zugestanden werden, nahm den Raum nicht nur mit seiner Statur ein. Auch mit seinem charmanten Auftritt überzeugte der Schaffhauser und überraschte die Romands. «In Schaffhausen machen wir zwar nur ein Prozent der Schweiz aus», sagte er. «Aber ich kann ihnen sagen, wir sind un très, très bon pourcent». Ob eine Frau im Bundesrat genüge, wurde Amsler gefragt. Es seien viele andere Kriterien wie beispielsweise die Regionen zu berücksichtigen, wich er aus. «Ich hoffe, dass mindestens eine Frau gewählt wird», sagte Amsler, um sich lachend Karin Keller-Sutter zuzuwenden und anzufügen: «Vielleicht werden es auch zwei.» Ungemütlicher wurde die Lage für Wicki und Amsler, als die Fragen aus dem Publikum kamen. Während der Schaffhauser furchtlos Antworten zu formulieren versuchte, versteckte sich Wicki zusehends hinter dem Stehtisch. Voll in ihrem Element blieb die studierte Dolmetscherin Keller-Sutter. Sie musste zwischendurch ihren Konkurrenten als Übersetzerin aus der Patsche helfen. Die Ständeratspräsidentin war in der Westschweiz schon vor diesem Abend beliebt gewesen. Mit ihrem Auftritt zementierte sie ihre Position. «Sie ist die Favoritin. Für alle, weil sie es verdient. La meilleure c’est Karin», sagte ein Besucher.

Während Keller-Sutter mit Lob überschüttet wurde, verliess Wicki den Burgsaal durch die Hintertür. Die Frage, wie er die Kampagne im Schatten der St. Gallerin erlebe, hatte er erst im dritten Anlauf verstanden. Das Apéro liess Wicki aus. Adieu, merci.

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