Keine Bierwerbung am TV

Der Ständerat will Alkoholwerbung am Fernsehen untersagen. Die Begründung: Werbung animiere zum Konsum, vor allem bei Jugendlichen. Das Verbot träfe vor allem Regionalsender.

Jürg Ackermann
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Bierwerbung am Lokalfernsehen. (Bild: tvo)

Bierwerbung am Lokalfernsehen. (Bild: tvo)

bern. Fussballbegeisterte wissen es: Wer sich am Samstagabend die ARD-Sportschau zu Gemüte führt, wird nicht nur mit schönen Goals berieselt: So konstant wie der Drang zum Tor ist die Bierwerbung in den Pausen. Im Gegensatz zur Schweiz ist in Deutschland Werbung für alkoholische Getränke auf allen Fernsehsendern erlaubt. Hierzulande dürfen für Bier und Wein nur die Regionalsender werben. Vor drei Jahren gestand das Parlament den Lokalsendern diese Konzession zu – als Kompensation, da die SRG den Löwenanteil der Konzessionsgebühren für sich beansprucht.

Verbotsgesellschaft?

Geht es nach dem Ständerat soll mit der Bierwerbung auf Tele Züri, Tele Ostschweiz und Co. aber bald wieder Schluss sein. Die kleine Kammer gewichtete die Prävention mit 22:19 Stimmen höher als eine freiheitliche Werbeordnung. «Seit vielen Monaten führen wir eine heftige Auseinandersetzung über exzessiven Alkoholkonsum von Jugendlichen, über Gewaltbereitschaft und Disziplinlosigkeit», sagte Verena Diener (GL/ZH). Die Aufgabe des Werbeverbots liege darum quer zu allen Präventionsbemühungen. Eine Meinung, die Ivo Bischofberger (CVP/AI) teilte. «Jugendliche brauchen und wollen auch Grenzen.» Das gelte auch für die Alkoholwerbung.

Die Gegner eines Verbots dagegen verneinten einen Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und Komatrinken. Auslöser für Alkoholkonsum seien im Elternhaus und in der Schule zu suchen. Dort müsse auch die Prävention ansetzen. «Wir werden je länger, je mehr zu einer Verbotsgesellschaft», sagte Hans Hess (FDP/OW). Für eine liberalere Lösung stand auch Bundesrat Pascal Couchepin ein. Die Landesregierung hatte vorgeschlagen, Werbung für Bier und Wein allen Fernsehsendern, also auch der SRG, zu erlauben. Der Bundesrat wollte mit diesem Vorschlag das Schweizer Fernsehen gegenüber den ausländischen Werbefenstern konkurrenzfähiger machen. Da die Alkoholwerbung im Rahmen des Media-Abkommens mit der EU geregelt wird, blieb aufgrund des Diskriminierungsverbots nur eine einheitliche Lösung, die sowohl für Lokalsender, die SRG und auch für die ausländischen Werbefenster gilt.

«Wertvolles Signal»

Applaus erhält der Ständerat für seinen Entscheid von der Fachstelle für Alkoholprobleme. Das Werbeverbot sei «ein äusserst wertvolles Signal», schreibt der Verband. Denn, so die Überzeugung der Fachstelle: Je mehr in Werbung investiert werde, umso tiefer sei die Hemmschwelle zur Flasche zu greifen. Mit Händen und Füssen gegen die Regelung wehren sich dagegen der Verband Schweizer Presse und Telesuisse, die Vereinigung der Regionalfernsehen. Deren Präsident, der Tessiner Ständerat Massimo Lombardi (CVP), sagte in der Debatte, einzelne Lokalfernsehsender könnten mit Alkoholwerbung bis zu 300 000 Franken im Jahr verdienen. Das sei in Zeiten rückläufiger Werbeeinnahmen nicht unbedeutend und gewährleiste journalistische Qualität.

Enttäuschtes Tele Ostschweiz

In die gleiche Kerbe schlägt André Moesch. Die Hüst-und-Host-Politik des Parlaments sei befremdlich, sagt der Leiter von Tele Ostschweiz. «Bei der Diskussion des neuen Radio- und Fernsehgesetzes hat man den Regionalen die Alkoholwerbung bewusst zugestanden, um deren Nachteile gegenüber der SRG und den ausländischen Sendern wenigstens teilweise zu kompensieren. Nun dreht man den Spiess schon wieder um.» Mehr Verständnis für den Entscheid des Ständerates zeigt Günter Heuberger, Geschäftsführer von Tele Top. «Die Fernsehwerbung ist eben auch ein kleiner Stein, der zu den zahlreichen Exzessen von Jugendlichen beiträgt.» Die Vorlage geht nun in den Nationalrat.

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