Unter Spannung

Keine Angst vor Blackout: Netzbetreiber sind bereit für die Sonnenfinsternis

Weil die Stromversorgung während der heutigen Sonnenfinsternis starken Schwankungen unterliegen dürfte, sind die Netzbetreiber in Alarmbereitschaft. Sie müssen den Abfall der Produktion kurzfristig ausgleichen, um das Netz stabil zu halten.

Drucken
Teilen

Wenn am Freitag die partielle Sonnenfinsternis gegen halb elf Uhr ihren Höhepunkt erreicht, stehen die Mitarbeiter der Schweizer Stromnetzgesellschaft Swissgrid in den Zentralen Frick und Laufenburg unter Hochspannung. Denn es wird durch die Verdunkelung zu einem gleichzeitigen grossen Leistungsabfall bei der Produktion von Solarenergie in den europäischen Anlagen kommen. Swissgrid muss dann diese Schwankungen mit der kurzfristigen Einspeisung zusätzlicher Energie ausgleichen, um das Stromnetz stabil zu halten.

Der vorübergehende Ausfall grosser Solarstrom-Anlagen wird auf die Leistung von etwa zwei Dutzend Atomkraftwerken geschätzt.

«Man muss gleich zu Beginn der Sonnenfinsternis, wenn die Leistung vieler Solaranlagen abfällt, jene Leistung anderer Kraftwerke hochfahren», sagt Andreas Schwander von Swissgrid gegenüber dem Fernsehsender «Tele M1». Die Kunst besteht darin, die Spannung anhand des Verbauchs konstant zu halten. Ist das nicht möglich und es kommt zu starken Ausschlägen, können Ausfälle im Stromnetz möglich sein.

Mit den Schweizer Wasserkraftwerken, bei denen innerhalb kurzer Zeit die Leistung erhöht werden kann, ist die Schweiz jedoch gut gerüstet. «Die flexible Leistung der Schweiz ist ein Trumpf», sagt Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau.

Dass die Schweiz relativ wenig Solarenergie produziert und verwendet, schwächt die Auswirkungen der Sonnenfinsternis für den hiesigen Bedarf allerdings ab. Jedoch hat die Stabilität des Schweizer Stromnetzes als Transit-Netz für Europa trotzdem grosse Wichtigkeit.

«Wir sind gut vorbereitet und haben Reserve-Kapazitäten», sagt Andreas Schwander von der Swissgrid und fügt an: «Die Sonnenfinsternis ist ein Naturereignis, das man beherrschen muss.»

Das nächste Mal, dass die Netzbetreiber eine solche Übung vollbringen müssen, wird erst bei 2026 sein. Aber es ist davon auszugehen, dass die Abhängigkeit von Sonnenenergie und damit die Auswirkungen auf das Schweizer Stromnnetz dann wesentlich grösser sein werden. (rhe)