Keine Absage an das Buch

Befürworter der Buchpreisbindung haben ihr Anliegen zu einem grundsätzlichen Ja zur Kultur hochstilisiert.

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Befürworter der Buchpreisbindung haben ihr Anliegen zu einem grundsätzlichen Ja zur Kultur hochstilisiert. Das Abstimmungsergebnis würde also bedeuten, dass die von der «Weltwoche» gerade als faul abgekanzelten Welschen kulturbeflissen sind, während die Deutschschweizer kulturlose Zeitgenossen sind … Gemach, das Abendland ist auch zwischen Basel und Chur noch nicht verloren!

Was sich am Abstimmungssonntag in einem Röstigraben manifestierte, hat vielmehr mit dem grundsätzlichen Staatsverständnis zu tun: In der Romandie ist man weit in bürgerliche Kreise hinein eher bereit, die Lösung eines Problems an den Staat zu delegieren, während in der Deutschschweiz und im Tessin eine solche etatistische Haltung eher suspekt ist. Zu Recht.

Das staatlich sanktionierte Buchkartell zeigt exemplarisch, dass Staatsinterventionismus in aller Regel nur die zweitbeste Lösung ist. Mit festen Preisen sollte nämlich das Verschwinden von «richtigen» Buchläden verhindert werden – als ob dieser Strukturwandel aufzuhalten wäre, als ob es das Internet nicht gäbe.

Unterschwellig besagt die Buchpreisbindung zudem, dass erfolgreiche Bücher, die auch von Discountern angeboten werden, weniger wertvoll sind als Nischenprodukte, die im klassischen Buchladen liegen (bleiben). Natürlich gibt es auch massenhaft Schrott, der über der Ladentisch geht – aber es kann weder direkt noch über indirekte Krücken Sache des Staates sein, die Qualität des Lesestoffs seiner mündigen Bürger zu beurteilen. Das Kulturgut Buch ist nicht von einer bestimmten Struktur seiner Bezugsquellen abhängig; gerade das Internet wird die Vielfalt der Produkte steigern helfen.

Der Staat darf dem Buch anders helfen: indem er bei Schülerinnen und Schülern die Freude am Lesen weckt. Philipp Landmark

philipp.landmark@tagblatt.ch