Kein Sex nach sechs: In Genf herrscht der Bordell-Blues

Nirgendwo sonst ist das Rotlichtmilieu derart präsent wie in der zweitgrössten Stadt der Schweiz. Doch nun schliessen in Genf die Vorhänge der Sexarbeiterinnen wegen des Corona-Virus. Die Prostituierten reagieren unterschiedlich. 

Benjamin Weinmann, Genf
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Die neuen Massnahmen der Genfer Regierung betreffen auch das Rotlichtmilieu.

Die neuen Massnahmen der Genfer Regierung betreffen auch das Rotlichtmilieu. 

Andreas Arnold / DPA

Genf macht dicht. Am Montagmorgen hat die Kantonsregierung drastische Massnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus bekanntgegeben. Restaurants, Bars, Fitnesscenter und Nicht-Supermarkt-Geschäfte bleiben ab Montag, 18 Uhr, geschlossen. Ebenfalls von den Massnahmen betroffen ist das Sex-Gewerbe. Ab sechs Uhr ist Sex gegen Bezahlung illegal.

Kurz nach der Pressekonferenz des Staatsrats hat sich die Information bereits im Genfer Quartier Pâquis herumgesprochen. Das Pâquis ist das wohl berühmteste Rotlichtmilieu des Landes, quasi das Amsterdam der Schweiz. Hier posieren Prostituierte mit viel nackter Haut hinter grossen Fensterscheiben oder auf dem Trottoir.

Luna* (*Name geändert) steht an einer Strassenecke und spricht die vorbeilaufenden Männer an. «Ab sechs Uhr ist fertig, das ist deine letzte Chance! Ich habe Spezial-Preise!» Klar habe sie die Botschaft der Regierung mitbekommen, wie alle anderen Frauen auch hier im Pâquis. «Viele bleiben nun einfach hier in ihrem Zimmer, da ja viele Länder die Grenzen geschlossen haben.» Ihr gingen in den nächsten Wochen viel Umsatz flöten. «Aber ich habe immerhin etwas zur Seite gelegt.»“

Mary will zurück nach Rumänien

Mary* steht neben einem Rotlicht-Fenster und tippt auf ihrem Smartphone. «Die Situation ist nicht einfach», sagt sie und atmet tief durch. Natürlich sei sie beunruhigt. Sie werde nun versuchen nach Rumänien zurückzukehren. «Ich glaube Wizz-Air fliegt noch dorthin, ich hoffe es zumindest.»

Wie die «Tribune de Genève» berichtet, hatte bereits am Sonntag das grösste Sex-Center der Romandie die Türen auf unbestimmte Zeit geschlossen, das Venusia. Lisa Ceskowski, die Chefin des Etablissements, hatte die Schliessung auf den sozialen Medien angekündigt und damit begründet, die Mitarbeiterinnen schützen zu wollen. «Die Situation wird für eine Zeit lang schwierig sein.» Gleichzeitig kritisierte sie die Untätigkeit der Regierung.

Auch in anderen europäischen Ländern heisst es Lichterlöschen im Rotlichtmilieu. Im Prostitutionsviertel nördlich von Brüssel zum Beispiel haben die Sexarbeiterinnen bereits am Freitag-Mitternacht die Arbeit niedergelegt.

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