Kein Herz für die Mieter

Trautes Heim, Glück allein, heisst es. Wer in der Schweiz in einem der begehrten Zentren schon einmal ein Obdach brauchte, der weiss, welche Blüten die Suche nach diesem Glück zuweilen treiben kann.

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Dominic Wirth (Bild: Dominic Wirth)

Dominic Wirth (Bild: Dominic Wirth)

Trautes Heim, Glück allein, heisst es. Wer in der Schweiz in einem der begehrten Zentren schon einmal ein Obdach brauchte, der weiss, welche Blüten die Suche nach diesem Glück zuweilen treiben kann. Längst gehört es zum Standardrepertoire, dem Bewerbungsformular noch einen Brief oder einen Lebenslauf beizulegen. Manche drehen gar ein Homevideo, um aus der grauen Bewerbermasse herauszuragen.

Der Wohnungsmarkt ist in vielen Städten nach wie vor eine Kampfzone, und die Profiteure sind die Vermieter. Obwohl die Hypothekarzinsen so tief sind wie noch nie, kannten die Mietpreise bis vor kurzem nur eine Richtung: immer schön nach oben. Im Jahr 2000 kostete eine 4-Zimmer-Wohnung noch 1198 Franken; 2014 waren es 1554 Franken. Der Bundesrat wollte dem mit der Formularpflicht entgegenwirken, ein wenig zumindest. Es ist ja nicht so, dass er künftig die Mietzinsen diktieren oder nur schon die Hürden für eine Anfechtung verändern wollte, nein: Es ging ihm lediglich darum, mehr Transparenz zu schaffen. Vermieter hätten künftig den vorherigen Mietzins deklarieren und für eine allfällige Erhöhung eine Begründung liefern müssen. Viel mehr als eine Minireform wäre das nun wirklich nicht gewesen.

Doch selbst das war den Hauseigentümern und den Bürgerlichen, allen voran der FDP und der SVP, zu viel. Im Parlament warnten sie vor einer drohenden Klagenflut und riesigem bürokratischen Mehraufwand. Wenn die Formularpflicht komme, so die Schlussfolgerung, wolle sowieso niemand mehr in Wohnungen investieren. Schade eigentlich, dass diese These nun keiner Prüfung unterzogen wird. Seite 5