Jagdgesetz
Kantone wollen nun auch Jungwölfe abschiessen

Die Kantonen Wallis, Waadt und Graubünden möchten fünf Wolfsrudel regulieren. So viele wie noch nie.

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Am Dienstag wurde im Gomstal ein Wolf von Wildhuetern erschossen.

Am Dienstag wurde im Gomstal ein Wolf von Wildhuetern erschossen.

Fischerei- und Wildtierdienst SC

Die Nachrichten zu gerissenen Schafen und Rindern reissen nicht ab. Letzte Woche hatte der Kanton Graubünden angekündigt, einen Einzelwolf abzuschiessen. Am Dienstag hat der Wildhüter des Kantons Wallis im Goms einen Wolf erlegt, weil er zehn Schafe in einer geschützten Situation sowie auf einer Alp, auf der keine Schutzmassnahmen möglich seien, getötet hatte.

Die Abschussbedingungen sind in der eidgenössischen Jagdverordnung geregelt. Mitte Juli wurden die Hürden heruntergesetzt, damit die Kantone schneller eingreifen können. Ein Einzelwolf darf zum Abschuss freigegeben werden, wenn er zehn geschützte Schafe oder Ziegen innerhalb von vier Monaten tötet. Bei geschützten Rindern oder Eseln liegt die Schwelle bei zwei Rissen.

Nun wollen die Kantone Waadt und Wallis auch Wolfsrudeln regulieren – das heisst Jungwölfe abschiessen. Dafür brauchen sie jedoch eine Genehmigung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Für Wolfsrudel gelten die gleichen Schwellenwerte wie für Einzelwölfe. Bedingung ist zudem, dass es im Regulierungsjahr Nachwuchs gab.

Die Zahl der Wölfe in der Schweiz wächst

Die zuständige Walliser Dienstelle ging bis vor kurzem davon aus, dass ein geschütztes Wolfspaar für die elf Schafsrisse im Val d’Hérens verantwortlich war. Nun zeigten aber Fotos mit Jungtieren, dass es sich um ein Rudel handelt. Graubünden will ebenfalls ein entsprechendes Gesuch einreichen. Bevor es nach Bern geschickt wird, muss der Kanton aber ganz sicher sein, dass die drei betroffenen Rudeln dieses Jahr Nachwuchs hatten.

Bislang wurden in der Schweiz fünf Jungwölfe erlegt – vier in Graubünden (2019), einer im Wallis (2016). 2020 hat das Bafu ein Regulierungsgesuch abgelehnt, 2015 verhinderten Richter den Abschuss von zwei Jungwölfen des Calandarudels. Der Blick zurück zeigt: Solch eine Häufung von Gesuchen hat es noch nie gegeben. Das ist aber nicht verwunderlich. Die Zahl der Wölfe in der Schweiz wächst. Allein 2020 kamen drei neue Rudel dazu – elf sind es insgesamt.

Bundesrat und Parlament wollten die Regulierung der Wolfspopulation erleichtern und auch präventive Abschüsse erlauben. Die Stimmbevölkerung lehnte das revidierte Jagdgesetz jedoch 2020 knapp ab. (dk)

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