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Kann man die Globalisierung stoppen?

Die Schweiz ist eines jener Länder, das immer wieder am stärksten von der Globalisierung profitiert hat. Trotzdem nimmt die Kritik an Globalisierung und Freihandel – genau wie in anderen Ländern – auch hierzulande zu.
Bild: Reto Lipp

Bild: Reto Lipp

Die Schweiz ist eines jener Länder, das immer wieder am stärksten von der Globalisierung profitiert hat. Trotzdem nimmt die Kritik an Globalisierung und Freihandel – genau wie in anderen Ländern – auch hierzulande zu. Die Globalisierungskritik ist in Europa inzwischen so laut geworden, dass selbst ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada lange Zeit abzustürzen drohte. Auch beim Freihandel machte die EU den Eindruck, handlungsunfähig zu werden.

Während die Wirtschaft die Globalisierung praktisch ungehindert vorantreibt, kommen in der Politik immer mehr kritische Töne auf. Es wird wieder auf Mauern, Abschottung und nationalistische Bevorzugung eigener Bürger gesetzt. Diese Diskrepanz zwischen einer immer globalisierteren Wirtschaft und einer national orientierten Politik dürfte in den nächsten Jahren für weitere Spannungen sorgen. Die wirtschaftspolitische Elite ist international, die Politik bleibt national verwurzelt. Und da, wo es zur Internationalisierung der Politik gekommen ist, scheint sich das Rad der Zeit zurückzudrehen.

Kann man Globalisierung also stoppen? Man kann – wie ein Blick in die Geschichte lehrt. Vor dem ersten Weltkrieg war die Globalisierung und der internationale Handel schon einmal sehr stark. So stark, dass es Bücher gab mit der These, es komme niemals mehr zu einem Krieg, denn die wirtschaftliche Verflechtung zwischen den Ländern sei derart hoch, dass es in niemandes Interesse sein könne, einen Krieg zu starten. Handel als Kriegsprävention («The Great Illusion», 1913). Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat diese These widerlegt. Es kam zu einem gewaltigen und unglaublich grausamen Globalisierungsstop.

Auch heute zeigt sich, dass die Globalisierung nicht unumkehrbar ist. Der Globalisierungsindex der Konjunkturforschungsstelle der ETH zeigt eine Stagnation der Globalisierung seit 2007. Man kann sogar in einzelnen Ländern von einem veritablen Rückschritt sprechen. Es ist fast schon ironisch, dass die Globalisierungskritik in dem Moment zunimmt, wo der Globalisierungshöhepunkt hinter uns scheint. Der Welthandel wächst inzwischen derart schwach (1,7 Prozent), dass von diesem derzeit kaum noch Globalisierungsimpulse ausgehen.

Die Verteufelung der Globalisierung ist problematisch, denn oft heisst es in der Öffentlichkeit, dass untere Einkommensschichten die Opfer der Globalisierung seien. Es ist nicht weg zu diskutieren, dass die Globalisierung in den Industrieländern Jobs vernichtet hat. Nur profitieren andererseits untere Einkommensschichten überproportional vom Freihandel. Eine Studie, die der «Economist» zitiert, hat berechnet, dass bei einer starken Einschränkung des Handels die reichsten 10 Prozent 28 Prozent ihrer Kaufkraft verlieren würden. Jene 10 Prozent mit den tiefsten Einkommen würden aber 63 Prozent verlieren.

Was intuitiv klar ist, denn tiefe Einkommensschichten konsumieren eher günstige Importprodukte als einkommensstarke Bevölkerungsschichten. Beispielsweise sind einheimische Landwirtschaftsprodukte (bio, regional) wesentlich teurer als Import-Agrarprodukte. Würde man Agrarimporte noch stärker als bisher behindern, würde das einkommensschwache Schichten viel stärker treffen. Weshalb das gerade linke Parteien nicht thematisieren, bleibt ein Rätsel. Ihre Klientel profitiert stark vom Handel.

Während die Globalisierung also durchaus Arbeitsplätze gefährdet, sorgt sie eben auch für grosse Wohlstandseffekte. Was nur heissen kann: Die Globalisierungsverlierer sollten durch kluge Massnahmen vor allem im Bildungswesen und bei der Einkommensabsicherung unterstützt werden. Es ist ohnehin unmöglich, wenig qualifizierte Jobs im Exportsektor in der Schweiz zu halten. Sie werden mit oder ohne Globalisierung wegfallen. Mit Weiterbildung, gut dotierter Arbeitslosenunterstützung und Umschulungsmassnahmen kann aber vieles erreicht werden. Die Schweiz ist eines der Länder, das wegen ihres Bildungssystems weniger Angst vor der Globalisierung haben muss als viele andere. Durch Abschottung und Protektionismus hätten wir aber viel zu verlieren.

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