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Kampf um neue Kampfjets: Die PR-Schlacht hat bereits begonnen

Bis der Bundesrat entscheidet, welchen Kampfjet er kaufen will, dauert es noch Jahre. Trotzdem haben sich die potenziellen Hersteller und ihre Lobbyisten bereits in Stellung gebracht. Ein Blick hinter die Kulissen.
Michel Burtscher
Ist kein "Papierflieger" mehr: der Gripen E in Aktion. (Bild: Saab)

Ist kein "Papierflieger" mehr: der Gripen E in Aktion. (Bild: Saab)

Das nennt man Pech: Eigentlich wollten die Verantwortlichen von Saab den eingeladenen Journalisten zeigen, wie der Gripen E vom Boden abhebt. Jener Kampfjet also, der vor der Gripen-Abstimmung 2014 von den Gegnern noch als «Papierflieger» verspottet wurde. Doch just, als die Gäste aus der Schweiz den Saab-Standort im schwedischen Linköping besuchen, fehlt ein Ersatzteil. Das Testflugzeug ist darum gegroundet.

Darum stehen die neun Journalisten an diesem heissen Tag Ende Juni nun neben der Piste des Flughafens Linköping und schauen dem Start eines Gripen C zu, des Vorgängers des Gripen E. Es ist ein kurzes, lärmiges Schauspiel. Und es ist eines mit dem falschen Hauptdarsteller. Denn der Gripen E ist es, mit dem – das jedenfalls ist die Hoffnung der Schweden – künftig auch die Schweizer Armeepiloten fliegen sollen.

Es geht um sehr viel Geld


Zwischen dreissig und vierzig neue Kampfjets will der Bundesrat beschaffen, als Ersatz für die heutigen F/A-18- und Tiger-Flugzeuge. Letzte Woche hat das Verteidigungsdepartement die Offertenanfragen an die Herstellerländer geschickt: Neben Saab mit dem Gripen kommen auch Dassault (Rafale), Airbus (Eurofighter), Boeing (F/A-18 Super Hornet) und Lockheed Martin (F-35) in Frage. Bis die neuen Kampfjets in der Schweiz fliegen, dauert es aber noch Jahre. Wenn das Volk zustimmt und alles nach Plan läuft, werden die ersten Flugzeuge im Jahr 2025 geliefert.

Es geht um viel Geld, sehr viel sogar: Acht Milliarden Franken will der Bundesrat für die Erneuerung der Luftverteidigung ausgeben, rund sechs Milliarden dürften auf den Kauf der Kampfjets entfallen, der Rest auf neue Boden-Luft-Raketen. Es erstaunt darum nicht, dass sich die Hersteller und ihre Lobbyisten schon lange in Stellung gebracht haben. Auch Saab will es nochmals wissen. Dafür setzen die Schweden wie vor vier Jahren auf die Dienste der bekannten Zürcher PR-Agentur Hirzel-Neef-Schmid-Konsulenten, deren Vertreter auch mit dabei sind in Linköping. Die Stadt liegt etwa 170 Kilometer von Stockholm entfernt und beheimatet den Hauptsitz von Saab Aeronautics, der Flugzeugsparte der Saab-Gruppe.

Starke PR-Bemühungen

Dort sollen die Journalisten erfahren, wieso der Gripen E das richtige Flugzeug ist für die Schweizer Armee. Und die Schweden wollen zeigen, dass es kein «Papierflieger» mehr ist. Das Programm für den zweitägigen Besuch, der von Saab bezahlt wird, ist vollgepackt: Es gibt Präsentationen zum Flugzeug, zu Saab, zur elektronischen Kriegsführung. Die Journalisten besuchen die Montagehallen und können den Gripen E in den Hangars aus nächster Nähe begutachten. Für die Saab-Verantwortlichen ist klar: Das Schweizer Volk hat nicht ihren Flieger abgelehnt, sondern allgemein den Kauf neuer Kampfjets. Darum rechnen sie sich auch diesmal wieder Chancen aus.

Das tun natürlich aber auch die anderen Hersteller. Und auch sie sind bereits aktiv in der Schweiz, zumindest hinter den Kulissen. Vor geraumer Zeit hat schon Airbus ausgewählte Journalisten ins deutsche Manching eingeladen, um ihnen dort die Vorzüge des Eurofighter zu zeigen. Der französische Konzern Dassault hat Anfang des vergangenen Jahres sogar ein Verbindungsbüro in Bern eröffnet, um für den Rafale zu weibeln. Er spüre die PR-Bemühungen der Anbieter stark, sagte Patrick Richter, Präsident der Offiziere der Luftwaffe, zum «Beobachter». Im vergangenen Monat konnten sich die fünf Herstellerfirmen auch am Symposium der Offiziere der Luftwaffe in Dübendorf präsentieren. Je rund 10'000 Franken sollen sie für den Auftritt bezahlt haben. Das ist wenig Geld für die Unternehmen, wenn dafür ein Milliardenauftrag lockt.

Misstöne wegen Lobbying

Nichts von diesem Lobbying ist im Moment im Parlament zu spüren, wie bürgerliche und linke Sicherheitspolitiker bestätigen. Doch sie entscheiden auch nicht, welches Flugzeug gekauft werden soll. Dennoch will Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne/ZH) Licht bringen in den Lobby-dschungel rund um die Kampfjet-Beschaffung. Mit einem Vorstoss soll der Bundesrat dazu gebracht werden, die Hersteller zu verpflichten, ihre Lobbyaktivitäten offenzulegen. «Lobbying ist nicht per se böse, sofern niemand bestochen wird. Aber es braucht Transparenz», sagt Glättli.

Vor der Gripen-Abstimmung 2014 gab es Misstöne wegen des Lobbyings. Dies nachdem unsere Zeitung Geheimpapiere des schwedischen Botschafters in Bern veröffentlicht hatte, in denen aufgezeigt wurde, wie die Schweden den Abstimmungskampf positiv beeinflussen wollten. Dabei wurden einige Parlamentarier mit abschätzigen Bemerkungen bedacht – was diesen sauer aufstiess.
Diesmal überlassen die Schweden nichts dem Zufall. Als die Journalisten in Linköping einen Flug im Simulator absolvieren können, haben die Techniker sogar extra eine Karte von Genf ins System geladen. So fliegt der Gripen also zumindest virtuell schon einmal über die Schweiz. Offen ist, ob dieses Szenario auch Realität wird.

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