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Justizversagen im Fall William W.: Sechsfacher Kinderschänder wird erneut wegen Missbrauch verhaftet

Trotz attestierten Rückfallrisikos kam der sechsfache Kinderschänder William W. wieder frei – wegen einer Formalie. Nun wird gegen den 45-Jährigen erneut wegen eines Sexualdelikts ermittelt.
William W. bei seiner Festnahme. (Archivbild: TeleM1)

William W. bei seiner Festnahme. (Archivbild: TeleM1)

Acht Jahre alt ist das jüngste mutmassliche Opfer von William W. Sollte sich der Verdacht gegen den gebürtigen Kolumbianer erhärten, wäre es bereits sein siebtes. Die Polizei nahm ihn am vergangenen Montag im Oltener Restaurant Kleinholz fest, wo er als Wirt arbeitete. «Es wurde eine Strafuntersuchung wegen sexueller Handlungen mit einem Kind eröffnet», sagt der Solothurner Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck der «Sonntagszeitung». Es gehe im Wesentlichen um die Abklärung, ob der 45-jährige Beschuldigte einem achtjährigen Knaben in die Hose gegriffen und ihn am Glied berührt habe.

Dass William W. sich erneut an einem Kind vergreifen konnte, zeugt nicht nur von behördlicher Naivität im Umgang mit Sexualstraftätern, sondern grenzt an Justizversagen. Im Mai 1999 wurde der Mann ein erstes Mal wegen sexueller Handlungen mit fünf Kindern verurteilt. Sein jüngstes Opfer war noch im Vorschulalter, zwei von ihnen hatte er geschändet. Trotzdem kam W. glimpflich davon: Er erhielt eine bedingte Zuchthausstrafe von 18 Monaten sowie eine ambulante Therapie.

Justizdirektor überlegt personelle Konsequenzen

Die Therapie fruchtete nicht. 2006 schlug W. erneut zu. In Starrkirch SO sprach er ein achtjähriges Mädchen an, das gerade auf einem Trampolin im Garten spielte. Er lockte es in eine nahe Baubaracke und verging sich dort über mehrere Stunden schwer an ihm, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Das inzwischen 20-jährige Opfer leider noch heute unter der Tat – und kann nicht glauben, wie ihr Peiniger wieder freikommen konnte. «Als ich hörte, dass er schon wieder ein Kind missbraucht haben soll, bin ich erschrocken», sagt die Frau. «Ich habe immer geahnt, dass er wieder zuschlägt.»

Nach der Wiederholungstat im Jahr 2006 wurde W. wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Handlungen mit einem Kind und sexueller Nötigung zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Diesmal wurde eine stationäre Therapie in einer geschlossenen Anstalt angeordnet. Doch erneut erwies sich diese als kaum durchführbar – weil W. jede Kooperation verweigerte. Nach über 200 Einzelsitzungen hielt ein Gutachter fest, «keinen Zentimeter» weitergekommen zu sein, und attestierte eine «mittelgradige bis hohe Wahrscheinlichkeit» für einen Rückfall. Folglich stellte das Solothurner Amt für Justizvollzug einen Antrag auf nachträgliche Verwahrung. Diese platzte jedoch aus formaljuristischen Gründen. Ende 2016 war W. bis auf eine Fussfessel wieder frei.

Nun wird gegen den Kolumbianer also erneut wegen eines Sexualdelikts ermittelt. Oberstaatsanwalt Brodbeck hat Untersuchungshaft angeordnet, unter anderem «wegen Wiederholungsgefahr». Ein Hohn für das jüngste mutmassliche Opfer und dessen Familie. Der Solothurner Justizdirektor Roland Fürst zeigt sich denn auch «sehr betroffen von der Entwicklung im vorliegenden Fall». Er zeige exemplarisch die Herausforderungen der Zusammenarbeit von Gerichts-, Strafverfolgungs- und Strafvollzugsbehörden auf. «Das Regelwerk muss kritisch hinterfragt und allenfalls überarbeitet werden», sagt Fürst. Auch personelle Konsequenzen schliesst er nicht aus. (gr)

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