JUSTIZ: Ex-Stadtrat kassiert lange Haftstrafe

Der ehemalige Zuger FDP-Finanzvorsteher Ivo Romer muss für 4,5 Jahre ins Gefängnis. Das Strafgericht sieht es als erwiesen an, dass er eine betagte Dame um ein Millionenvermögen gebracht hat.

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Verurteilt: Ivo Romer (Bild: KEY)

Verurteilt: Ivo Romer (Bild: KEY)

Der Fall hatte landesweit Schlagzeilen geschrieben. Gestern wurde der frühere Finanzvorstand der Stadt Zug nun wegen Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung verurteilt. Das Strafgericht sah es als erwiesen an, dass sich der heute 52-jährige Ivo Romer in seiner Funktion als Vermögensverwalter an den Millionen einer Baslerin bedient hatte.

Diese war Ende 2011 im Alter von 96 Jahren verstorben. 2005, als Romer als professioneller Vermögensverwalter für die Dame tätig wurde, betrug das Vermögen noch über etwa 6,5 Millionen Franken. Als die Frau verstarb, lagen aber nur noch knapp 15000 Franken auf dem Konto.

Weder Reue noch Einsicht gezeigt

Mit dem Geld finanzierte der Ex-Stadtrat seinen teuren Lebensstil und trat als grosszügiger Spender an gesellschaftlichen Anlässen auf. Im ganzen Verfahren habe er keinerlei Reue und Einsicht gezeigt, sagte die Richterin bei der Urteilseröffnung.

Im Beisein zahlreicher Medienvertreter nahm Ivo Romer gestern den Schuldspruch sichtlich angespannt entgegen. Mit den 4,5 Jahren Freiheitsstrafe blieb das Gericht aber deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 6 Jahre und 10 Monate gefordert hatte.

Für eine höhere Strafe fehlten jedoch die Beweise. «Wir haben nur Indizien», sagte die Richterin. Weil die Witwe tot sei und somit nicht mehr befragt werden könne und Romer grösstenteils die Aussage verweigert habe, würden als harte Fakten nur Bankunterlagen vorliegen.

Diese waren in sehr vielen Fällen auch ausreichend für eine Verurteilung. Nicht immer liess sich damit jedoch eine Straftat beweisen. Schwierig wurde es etwa bei Zahlungen, welche die Witwe per Unterschrift genehmigte. Darunter waren Spenden an den Eissportverein Zug oder eine Investition in riskante Penny Stocks.

Weil die Frau zum Zeitpunkt der Unterschrift gemäss einem Gutachten noch geistig klar war, lässt sich Romer keine Veruntreuung nachweisen. Das Gericht musste ihn bei diesen Zahlungen «im Zweifel für den Angeklagten» freisprechen.

Verurteilter muss Millionen zurückzahlen

Ob die Staatsanwaltschaft und Romer selbst das Urteil akzeptieren, war gestern noch unklar. Fest steht, dass der ehemalige Stadtrat den Nachkommen der verstorbenen Witwe nun knapp 2 Millionen Franken zurückzahlen muss. Der Familienstiftung, die er ebenfalls plünderte, schuldet er seit der Urteilseröffnung 1,8 Millionen. Ob der Verurteilte zahlen kann, ist allerdings mehr als fraglich.

Das abgezweigte Geld ist nicht mehr auffindbar. Sein monatliches Einkommen bezifferte Romer beim Prozess auf nur 500 bis 1000 Franken. Das Gericht sieht bei Ivo Romer die Gefahr, dass er sich ins Ausland absetzen könnte. Deshalb bleibt sein Pass weiterhin eingezogen. (red/sda)