Jositsch auf Anhieb erfolgreich

Die Zürcher Sozialdemokraten ziehen mit Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch nach 32 Jahren wieder ins Stöckli ein. FDP-Nationalrat Ruedi Noser liegt auf dem aussichtsreichen zweiten Platz, muss jedoch in die zweite Runde.

Eveline Rutz
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ZÜRICH. Rote Rosen für Daniel Jositsch: Dem SP-Nationalrat ist gestern gelungen, womit kaum jemand gerechnet hatte. Er schaffte den Sprung in den Ständerat bereits im ersten Wahlgang. Mit 182 776 Stimmen schaffte der 50-Jährige das absolute Mehr (177 771 Stimmen) und liess die Konkurrenz deutlich hinter sich. «Damit habe ich nicht gerechnet», sagt er. Mit einem Schlag sei seine Agenda um zahlreiche Termine ärmer geworden. Jositsch führt den beachtlichen Wahlerfolg auf seine sach- und lösungsorientierte Politik im Nationalrat zurück. Die neue Aufgabe trete er mit Respekt an.

Vor vier Jahren hatte der Strafrechtsprofessor auf der SP-Nationalratsliste das beste Resultat erzielt. Gestern bescherte er der Kantonalpartei einen historischen Moment: Nach 32 Jahren zieht sie nun wieder in den Ständerat ein.

Spannende Ausgangslage

Wer den zweiten Zürcher Sitz erobern wird, steht noch nicht fest. Am 22. November kommt es zum zweiten Wahlgang. FDP-Nationalrat und Unternehmer Ruedi Noser startet dabei aus der aussichtsreichsten Position. Er erzielte gestern 148 558 Stimmen. Dahinter folgen SVP-Kantonsrat Hans-Ueli Vogt (123 144 Stimmen), Nationalrat Bastien Girod von den Grünen (80 737 Stimmen), GLP-Parteipräsident Martin Bäumle (57 125 Stimmen), CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (34 639 Stimmen) sowie EVP-Nationalrätin Maja Ingold (21 603 Stimmen). Martin Bäumle hat sich bereits aus dem Rennen genommen. Die übrigen wollen die gestrigen Wahlresultate erst sorgfältig analysieren. «Die Freisinnigen mussten meistens in einen zweiten Wahlgang», sagt Ruedi Noser und betont, dass er am stärksten ausserhalb seiner Partei mobilisiert habe. Dies stimme ihn für den zweiten Wahlgang zuversichtlich. Die zweite Runde werde für keinen Kandidaten zum Selbstläufer, ist FDP-Parteipräsident Beat Walt überzeugt. Sie müssten sich alle noch einmal voll ins Zeug legen. Tatsächlich ist die Ausgangslage spannend. Treten FDP und SVP erneut an – worauf im Moment alles hindeutet – könnte der Viertplazierte Girod profitieren, zumal die GLP nicht mehr antritt. In der Mitte sind die Wahlchancen des 34-Jährigen, der über ein klar linkes Profil verfügt, allerdings beschränkt.

Guldimann gewählt

Die SP ging gestern nicht nur in den Ständeratswahlen siegreich vom Platz. Sie konnte auch ihre Vertretung im Nationalrat ausbauen. Sie legte um zwei auf neun Sitze zu. Prominentes neues Mitglied ihrer Bundeshausfraktion wird Ex-Botschafter und Auslandschweizer Tim Guldimann, der sich vom 10. auf den 4. Platz vorkämpfte.

Zu den Gewinnern zählt zudem die SVP. Sie machte einen Sitz gut und stellt neu zwölf Nationalräte. Als eigentlichen Überflieger darf sich «Weltwoche»-Chefredaktor und Quereinsteiger Roger Köppel feiern lassen. Er startete auf dem 17. Platz und liess letztlich alle hinter sich. «Dabei hat ihm sicher seine grosse Medienpräsenz geholfen», sagt SVP-Präsident Alfred Heer. Deutlich abgewählt wurden hingegen die Bisherigen Christoph Mörgeli, Hans Fehr und Ernst Schibli. Das Wahlvolk hat damit jenen Generationenwechsel vollzogen, der bereits parteiintern diskutiert worden war. Die FDP konnte ebenfalls punkten: Statt vier stellt sie neu fünf Nationalräte. Parteipräsident Walt spricht von einem fulminanten Aufschwung, der mit dem politischen Umfeld zu tun habe: «Die FDP wird wieder gehört.»

Federn lassen mussten hingegen die neuen Mitteparteien BDP und GLP sowie die Grünen, die je ein Mandat einbüssten. Die CVP konnte ihre zwei Sitze verteidigen. Insgesamt wird der Kanton Zürich in der kommenden Legislatur 35 von 200 Nationalräten stellen – einen mehr als bisher.

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