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«Ein gewisser Respekt ist durchaus angebracht»: Jetzt wird’s in der Schweiz so richtig heiss

Eine Hitzewelle überschwappt in den nächsten Tagen die Schweiz. Ob es für Allzeit-Rekorde reicht, bleibt allerdings abzuwarten.
Bruno Knellwolf
Die Karte zeigt die Temperatur auf rund 1600 Metern am kommenden Mittwochnachmittag. Am Boden sind die Temperaturen deutlich höher.

Die Karte zeigt die Temperatur auf rund 1600 Metern am kommenden Mittwochnachmittag. Am Boden sind die Temperaturen deutlich höher.

Bis vor kurzem haben sich die Bademeister gelangweilt. Doch nun hat das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz am Montag die zweithöchste Hitzewarnung herausgegeben: Gefahrenstufe 4 für die Region Basel und das Wallis und für den Rest der Schweiz die Gefahrenstufe 3. Mit bis zu 39 Grad Celsius wird gerechnet. «Ein Tief über dem nahen Atlantik lenkt in ­einer südwestlichen Strömung zunehmend heisse Luft zur Schweiz», erklärt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Beidseits der Alpen könnte es zu einer sieben-tägigen Hitzewelle kommen.

Das tönt nach Hitzerekorden. «Neue Junirekorde wird es sicher am einen oder anderen Ort geben, ob es für Allzeit-Rekorde reicht, bleibt allerdings abzuwarten», sagt Felix Blumer, Meteorologe bei SRF Meteo. Wie immer würden dabei die «Hot Spots» wie Sitten, Genf und Basel vorne liegen. Neue lokale Rekorde seien in allen Landesgegenden möglich.

«Wahrscheinlich werden wir eine Flut von Rekordmeldungen erleben, da Meteo Schweiz zahlreiche Rekorde der Vergangenheit nach unten korrigiert hat, um sie mit den heutigen Messtechniken vergleichbar zu machen», erklärt Blumer. Die Korrekturmethoden seien aber unter Experten mehr als nur umstritten.

Schweiz verzeichnet Rückgang von Hitzetoten

«Die Gefahrenstufe 4 wurde letztmals im Hitzesommer 2015 ausgegeben», sagt Bader von Meteo Schweiz. Die stärkste Hitzewarnung in der Schweiz bedeutet eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen, die fünf Tage oder länger über der Hitzeschwelle liegen. Diese wird dann überschritten, wenn ein gewisser Wert im Hitze-Index erreicht wird, der sich aus der Temperatur und Luftfeuchtigkeit ergibt.

Denn die Kombination von Hitze und Feuchte entscheidet, ob es uns bei einer bestimmten Hitze noch wohl ist oder nicht. In Zahlen: 34 Grad bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von rund 30 Prozent. Dieser «Heat Index» wird nun überschritten. Müssen wir uns deswegen fürchten? Blumer sagt:

«Ein gewisser Respekt ist durchaus angebracht, vor allem für ältere Leute oder Personen mit gesundheitlichen Problemen, namentlich Kreislaufproblemen.»

Leider seien auch Todesfälle wegen der Hitze denkbar, erklärt Bader. «Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung seit dem grossen Hitzesommer 2003 ist in der Schweiz allerdings ein Rückgang von Hitzetoten zu beobachten.»

Auf jeden Fall bewirke die Hitze bei vielen Leuten eine Reduktion der Arbeitsleistung, sagt Bader. «In Südländern wird deshalb bekanntlich zur heissesten Zeit am Nachmittag Siesta gehalten.» Bei sehr heissen Bedingungen gebe es Probleme bei der Infrastruktur. Verbogene Schienen etwa, die den öffentlichen Verkehr behinderten.

Dazu passt, dass die Gewerkschaft Unia vor gefährlichen Folgen der Hitzewelle für die Bauarbeiter warnt. Die Gewerkschaft fordert genügend Trinkwasser und Sonnenschutz – sowie, dass Baustellen mit direkter Sonneneinstrahlung bei Temperaturen über 35 Grad geschlossen werden.

Wirkliche Abkühlung gibt es aktuell nur in Skandinavien

Wohin also flüchten, um der Hitze zu entrinnen? Das sei schwierig, weil es auch in der Höhe sehr warm werde, sagt Blumer. «Die ganze heisse Luft kommt vor allem in der Höhe direkt aus der Sahara. So geht auch die Nullgradgrenze in einen Bereich von rund 5000 Meter über Meer, also höher als die höchsten Berge in der Schweiz.» Zu empfehlen sei das Oberengadin, in der Muldenlage von Samedan kühle es in der Nacht auf etwa 8 Grad ab. Am Nachmittag werde es dort aber auch 28 Grad warm. Wirkliche Abkühlung finde man zur Zeit nur in Skandinavien.

Bleibt die Frage, ob diese Hitzewelle im Trend des Klimawandels liegt. «Intensive einwöchige Hitzeperioden sind in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden. In Regionen, die immer wieder davon betroffen waren, wie zum Beispiel der Westschweiz, folgen sie sich heute in kürzeren Zeitabständen», sagt Bader von Meteo Schweiz.

Und heute müssten auch Regionen mit Hitzeperioden rechnen, die früher nicht betroffen waren. Das häufigere Auftreten von Hitze sei eines der ganz klaren Signale der Klima­änderung, so Bader.

«Mit der weiteren Temperaturzunahme ist in der Schweiz gemäss den Klimaszenarien bis Ende Jahrhundert eine starke Zunahme von Hitzewellen sehr wahrscheinlich.»

Auch Felix Blumer sagt, dass Hitzewellen länger und häufiger werden. «Die letzte Hitzewelle liegt noch keine elf Monate zurück.» Allerdings sei die jetzige Hitzewelle ein Phänomen wie der Schnee Anfang Mai dieses Jahres. Und Fakt sei auch: «Hitzewellen gab es schon früher. 1976 gab es in Basel 17 Hitzetage in Folge und schon 1921 wurden in Basel zwei Hitzewellen verzeichnet.»

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